Schwierige Geburt

Liebevolle medizinische und menschliche Betreuung in angenehmer Atmosphäre erwartet Schwangere normalerweise auf der Geburtsstation des Herdecker Gemeinschaftskrankenhauses. Durch seine anthroposophische Ausrichtung und seinen ganzheitlichen Ansatz bringt diese Einrichtung der menschlichen Kreatur hohen Respekt entgegen.

Als empfehlenswerter Gebär-Ort ist die Klinik in ganz Deutschland bekannt und beliebt. Deshalb sollte auch das zweite Kind einer Hagenerin dort das Licht der Welt erblicken.

In freudiger Erwartung auf kompetente und liebevolle Unterstützung betrat die Wehengeplagte nachts um 1 Uhr zusammen mit dem Ehemann die Geburtsstation.

Sie wurde von einer des Deutschen kaum mächtigen Hebamme untersucht. Danach verfrachtete man das Ehepaar mit den Worten „Das wird noch dauern“ auf ein Krankenzimmer und überließ die Beiden sich selbst.

Die Wehen wurden schlimmer und kamen immer häufiger. Der Ehemann drückte den Notknopf. Jetzt würde sich endlich eine Hebamme um seine Frau kümmern. Doch niemand reagierte. Auch seine Suche nach einem menschlichen Wesen auf dem Krankenhausflur war vergebens. Er klopfte ans Schwesternzimmer, erst leise, dann immer lauter. Schließlich rief er sogar um Hilfe! Doch keiner antwortete. Die Station schien wie ausgestorben.

Gegen fünf Uhr gab es kein Halten mehr. Während sich die Schwangere schon allein entkleidet hatte und vor Schmerzen wimmerte, suchte der Ehemann erneut nach Hilfe.

Zufällig traf er auf dem Flur einen Arzt, der allerdings gar keinen Dienst hatte.

Nach kurzer Untersuchung schlug der Mediziner Alarm. Der Kopf des Kindes war schon sichtbar! Doch auf die Hilferufe des Arztes reagierte ebenfalls keiner. Der Gynäkologe schaffte die Hagenerin mühsam in den Kreißsaal, um dann nur noch der Geburt beizuwohnen.

Erst als das Neugeborene schon in Mutters Armen lag, erschien plötzlich eine Hebamme. Sie begründete die Abwesenheit ihrer Zunft schlicht mit dem Schichtwechsel.

Das frisch gebackene Elternpaar wird diese Nacht wohl nie vergessen. Für eine Hausgeburt hätten die Beiden ja nun wirklich nicht nach Herdecke gemusst.

Auf eine Entschuldigung warten sie übrigens noch heute.

Tilo