Segensreiche Fluppe?

Nachbarin Angelika, seit einigen Monaten junge Mutter, jubelte: „Es war ja gar nicht so schlimm, meine Raucherei während der Schwangerschaft!“ Ach, liebe Angelika, Deine Jubel-Arie ist schwer danebig: Es war schlimm, dass Du auf die Fluppen nicht verzichtet hast. Es war sogar großer Mist.

Da sind sich alle Mediziner ausnahmslos einig. Und es herrscht auch kein Zweifel darüber, dass es für Neugeborene und kleine Kinder ein riesengroßes gesundheitliches Problem ist, wenn Eltern ihren Nachwuchs vollqualmen. Das bleibt Körperverletzung auf stinkigste Art und Weise.

Und der Jubel von Angelika? Sie hatte von einer wissenschaftlichen Studie gehört. Die Ärztin Claudia Zenclussen von der Uni Magdeburg schreibt in Kürze in einem renommierten Fachmagazin: Raucherinnen sind wesentlich seltener von Schwangerschaftsvergiftungen betroffen als Nichtraucherinnen. Das hört sich fast an, als wäre Rauchen gesund.

Jahrelang hat die Ärztin nach einer Erklärung gesucht. Mittlerweile ist ihr die Erleuchtung gekommen – es geht nur um einen einzigen Giftstoff in der Zigarette, der hier verantwortlich zeichnet: Kohlenmonoxid. Also jenes Gift, das auch in Motorabgasen vorkommt und das – in höherer Konzentration eingenommen – unweigerlich zum Tode führt.

Kohlenmonoxid könnte also vielleicht Babys retten. Aber wie? Momentan versucht Claudia Zenclussen, dem Monoxid seine Geheimnisse zu entlocken und das Positive im Gift zu entdecken. Sie vermutet gar, dass man damit auch Herzkranken helfen könnte. Wenn man die richtige Dosis findet.

Doch trotz der eventuell guten Wirkung des Monoxids lässt auch Claudia Zenclussen an Nachbarin Angelika kein gutes Haar: „Immer wenn ich eine Schwangere mit Zigarette sehe, packt mich die Wut.“

Das ist wohl deutlich genug.

Tilo