Skandale und Skandälchen

Es gab ein richtig großes Gewedel und Geheule, als herauskam, dass Stadtbaurat Thomas Grothe als Geschäftsführer des Wirtschaftsbetriebs Hagen (WBH) gerne einen 70.000-Euro-Luxus-Dienstwagen gefahren hätte. Oder bei Harald Kaerger. Der war bis Anfang des Jahres Big Boss der Hagewe. Zum Abschied von Hagewe und Hagen hatte er zu einer üppigen Sause geladen: Gut 30.000 Euro kostete der „Spaß“. Darin enthalten waren die Miete für den Veranstaltungsort (Osthaus-Museum), das Honorar für einen Fotografen (der alle Geschehnisse an jenem denkwürdigen Tag in Hunderten von Bildern dokumentierte), das Essen (geliefert von einem exquisiten Italo-Koch), die Einladungs- und Danksagungskarten („Harald geht weg“), natürlich die Begleitmusik sowie mehrere Jubelreden, die Kaerger zu seinen Gunsten von einem Fachbüro hatte schreiben lassen. Man könnte meinen: Kaerger hat richtig viel gekriegt fürs Geld.

Trotzdem war der empörte Aufschrei noch weit hinter den Hagener Stadtgrenzen zu hören. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Timo Schisanowski (SPD), wurde aufgefordert, seinen Hut zu nehmen (was er nicht tat), und Kaerger hatte anschließend einen ergrimmten Staatsanwalt am Hals. Die Sache endete damit, dass Kaerger die Hälfte der Sause selbst bezahlte.

Kaerger kommt aus Bochum. Und er wird sich in diesen Tagen verwundert fragen, warum in Hagen seine 30.000 Euro so ein Mega-Aufreger wurden. In der Ruhrpottstadt verbrennt man ganz andere Summen, wenn eine kleine städtische Feier steigt. Der „Fall Steinbrück“ brachte es ans Licht. Der SPD-Spitzenkandidat hatte für eine launige Rede bei den Stadtwerken Bochum stolze 25.000 Euro kassiert.

Doch Steinbrücks Honorar war nur ein Teil der Gesamtkosten. Insgesamt verschlang die Veranstaltung, mit Steinbrück als Stargast, an die 107.000 Euro. Davon entfielen – bei knapp 200 Gästen – knapp 30.000 Euro allein auf Essen und Trinken (über 150 Euro pro Person). 10.000 Euro flossen in die Live-Musik. Und über 40.000 Euro sackte eine Projekt-Firma ein, die das Ganze organisierte. Na, das sind doch Dimensionen, da können wir in Hagen nur neidisch werden (zumal Bochum kaum betuchter ist als unser bettelarmes Städtchen).

Welch ein Jammer! Da glaubt man, es gäbe bei uns im stillen Tal auch mal ein oder zwei richtige Skandale – und was kommt dann raus? Im Landesvergleich waren es höchstens niedliche Skandälchen!

Ja, warum kriegen denn immer nur die Anderen die richtigen Aufreger?