Supermann für einen Euro

„Beigeordnete“ oder auch „Dezernenten“ – so nennt man bei uns in Nordrhein-Westfalen die Wahlbeamten mit Führungsämtern in den Rathäusern. Sie sind gleichsam die direkten Stellvertreter des Oberbürgermeisters und die unmittelbaren Vorgesetzten der Amtsleiter. In Hagen gibt es aktuell vier Beigeordnete: Dr. Christian Schmidt, Stadtkämmerer Christoph Gerbersmann, Dr. Herbert Bleicher und Stadtbaurat Thomas Grothe. Bleicher wird diese erlauchte Riege jetzt verlassen: Er wird als Nachfolger von Werner König neuer „Big Boss“ des HEB (Hagener Entsorgungs-Betrieb).

Solche Beigeordneten-Pöstchen sind heiß begehrt und stehen immer wieder im Mittelpunkt von Partei-Kungelrunden. Denn Schmidt & Co. verdienen gutes Geld. Je nach Alter und Dienstalter sind das um die 90- bis 100.000 Euro jährlich.

Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da arbeiteten Beigeordnete sogar ehrenamtlich. In Haspe beispielsweise gab es vor der Eingemeindung ein derartiges Musterexemplar. Heinrich Preußer hieß der wackere Mann. Und offenbar hat Preußer seinen Job derart gut erledigt, dass die Hasper eine Straße nach ihm benannt haben.

Genauso preiswert würde Klaus Hacker für die Stadt Hagen arbeiten. Der pensionierte Sparkassen-Chef hat kürzlich seine Dienste angeboten. Er sei bereit, einen Dezernentenposten zu übernehmen – für die symbolische Bezahlung von einem Euro.

Ein verführerisches, ein attraktives Angebot. Ein Geschenk des Himmels. Erstens hat der Mann Ahnung von Geld (was ja im Hagener Rathaus überaus nützlich ist), zweitens kennt er die Volmestadt aus dem Effeff, drittens hat er bewiesen, dass er einen großen Laden leiten kann und viertens würde seine Ernennung rund 100.000 Euro einsparen (rechnet man Nebenkosten mit, sind es sogar noch mehr). Supermann im Wartestand.

Aber wetten, dass Klaus Hacker keine Chance hat? An faulen Ausreden herrscht kein Mangel. Hacker ist kein Jurist (den man angeblich, hö, hö, braucht). Oder man wird sagen, er sei zu alt (zum Vergleich: der neue Bundespräsident ist zehn Jahre älter).

Hackers Bewerbung wird wahrscheinlich nicht einmal ernsthaft geprüft. Denn garantiert läuft sich schon in irgendeiner Ecke des Landes ein verdientes Parteimitglied warm, das dringend mit einem gut dotierten Pöstchen versorgt werden muss.

Hacker die kalte Schulter zu zeigen, wäre nicht die erste Chance, die in Hagen vertan wird…