Tilo: Bauklötze

Tilo gehört mittlerweile nicht mehr zu den Jüngsten – doch sein Alter schützt ihn nicht davor, immer mal wieder „Bauklötze“ zu staunen. Etwa angesichts einiger Bilder, die ihm Leser Michael G. geschickt hat. Darauf zu sehen sind einige Bänke. Sie wurden nahe dem Ischelandteich mit Brachialgewalt und völlig „sinnentleert“ aus der Verankerung gerissen und im hohen Bogen auf die Wiese geworfen. Wahrscheinlich agierten hier ein paar frustrierte Halbstarke, die vorher bei einem Grillfest waren und zu viele Steaks gefuttert hatten. Oder war‘s die Hitze?

Wer den Schaden bezahlen darf, ist jedenfalls klar: Wir Steuerzahler.

Doch Michael G. hat nicht nur Fotos von zerstörten Bänken gemailt, sondern auch von einigen Hinterlassenschaften, an denen offenkundig Hundebesitzer schuld sind. Nee, nee, wir meinen hier nicht die üblichen Überbleibsel. Vielmehr hat Leser G. etwas völlig anderes beobachtet: „Eine neue Unsitte ist es, die Hunde zu bürsten, die Haare aber liegen zu lassen, der Mülleimer steht direkt daneben…“, schreibt er. Ach, lieber Herr G., „liegen lassen“ macht man heutzutage nicht nur gern mit Hundehaaren, sondern beispielsweise auch mit Essenresten, Bierflaschen und am allerliebsten mit Kippen. Deutschland, einig Ferkelland.

Apropos Hinterlassenschaften. Mit dergleichen plagt sich auch Leserin G. in Wehringhausen herum. Bei ihr geht es um Vogel-Kot, der in einer Menge auf sie niederfällt, wie sie es schon lange nicht mehr zu ertragen vermag. In der vorvergangenen Woche hat der Wochenkurier darüber berichtet. Eigentlich handelte es sich um eine verhältnismäßig harmlose Geschichte. Geschrieben haben wir darüber, um zu schildern, wie sehr sich die über 80-jährige Frau G. von allen möglichen Leuten, die sie in den vergangenen Monaten um Hilfe gebeten hat, im Stich gelassen fühlt.

Einige wenige Leser meinten daraufhin – eher wohlwollend –, die Seniorin könne sich zur „Kot-Abwehr“ doch „mal eben“ ein paar Schutzbretter hoch oben an die Wand nageln und dann sei alles gut. Nun ja, wenn’s so einfach wäre, dann wäre das längst geschehen.
Doch die meisten Anrufer waren alles andere als nett zu der Seniorin, sondern vor allem empört; sie unterstellten der armen Frau, den „gefiederten Scheißern“ den Garaus machen zu wollen. Was natürlich völliger „Bull­shit“ ist.

Tierschutz hin oder her, die Frau will lediglich in Ruhe und unbekleckert ihren Kaffee auf der Terrasse genießen können – und das ist ja wohl nicht zu viel verlangt, oder?

Aber wie gesagt, man kann manchmal nur Bauklötze staunen.

Tilo