Tilo: Bodenlos

Neben dem Computer zählt das Telefon zu den wichtigsten Hilfsmitteln eines Redakteurs. Aber wir telefonieren nicht nur wer weiß wie oft hinaus in die Welt, sondern dürfen uns auch umgekehrt über viele Anrufe freuen. Manchmal geht es um Kritiken, oft um Anregungen, häufig aber auch nur um „schnöde“ Nachfragen.
Doch es gibt immer wieder mal Tage im Verlaufe eines Jahres, an denen sich Telefonate mit eher seltsamen Anliegen „drubbeln“.

Am vergangenen Donnerstag hatten wir einen solchen Tag. Los ging es mit einem älteren Herrn, der sich immens darüber aufregte, dass beim legendären BG-Turnier auf Emst eine „Rollator-Truppe“ spielen wolle.
Wer kein Basketball-Fan ist, muss wissen, dass auf Emst der sportliche Ernst eher klein-, der Spaß aber großgeschrieben wird. Das führt unter anderem dazu, dass Teams mit lustigen oder vermeinlich witzigen Namen auf dem Feld stehen – wie zum Beispiel die „Rollator-Truppe“. Der ältere Herr an unserem Telefon – selbst auf ein Gehwägelchen angewiesen – konnte dem Team-Namen jedenfalls überhaupt nichts Witziges abgewinnen. Er forderte die Redaktion nahezu ultimativ auf, über diese „bodenlose Missachtung“ zu schreiben. Dieser Aufforderung kommen wir hiermit gerne nach.

Wenig später hatten wir – genau zeitgleich – zwei Leser am Telefon, die uns baten, ihnen bei der Suche nach ihren Töchtern zu helfen. Bei dem einen Anrufer war das Ganze dann auch noch mit der barschen Aufforderung verquickt, ein paar harsche Worte über die „bodenlose Frechheit“ der Hagener Polizei zu verlieren, weil die ihm – angeblich – nicht bei der Suche geholfen habe. Dieser Aufforderung kommen wir ebenfalls nach: Sehr geehrte Hagener Polizisten, macht Euch auf die Socken!

Am Donnerstag tagte auch der Rat der Stadt Hagen – mit tatsächlich mal voller Besuchertribüne. Vor allem Ener­vie-Mitarbeiter hatten den Weg ins Rathaus gefunden. Sie wollten ihren Unmut darüber zum Ausdruck bringen, dass die Stadt Hagen eine Vier-Millionen-Euro-Dividende des Energieversorgers einzusacken gedenkt, während die 970 Mitarbeiter mit einer Einmalzahlung in Höhe von – gesamt – lediglich 970.000 Euro abgespeist würden. Dass es dem Unternehmen jahrelang ziemlich schlecht ging, lag auch am früheren Vorstandschef Ivo Grünhagen und einigen von ihm falsch gestellten Weichen.
Als er einst gehen musste, hat er eine Million Euro für sich allein bekommen – als Abfindung. Das sind 30.000 Euro mehr, als allen 970 Mitarbeitern in diesem Jahre gemeinsam gezahlt wird. Verständlich, dass sie dies als bodenlose Frechheit empfinden.

Tilo