Tilo: City in Not

Die Welt ist komplex. Dementgegen machen es sich Populisten gerne einfach – zum Beispiel nach dem Motto: „Ausländer raus und die Welt ist wieder in Ordnung.“ Pustekuchen, nichts ist dann in Ordnung. Allein in Hagen leben derzeit weit über 35.000 Menschen, die als „Ausländer“ gelten.

Die stärksten ausländischen Bevölkerungsgruppen an Volme und Lenne stammten Mitte 2018 aus der Türkei (über 7000), aus Italien und zunehmend auch aus Rumänien/Bulgarien. Man stelle sich vor, alle Türken würden über Nacht die Stadt verlassen (müssen), dann hätten wir etwa 1500 zusätzlich leerstehende Wohnungen in ganz Hagen und Dutzende ungenutzte Ladenlokale in den Innenstädten. Die Volmestadt wäre in erheblichen Teilen eine verödete Geisterstadt.

Apropos „Verödung“. Der Leerstand zwischen Markt und Bahnhof hält sich zwar immer noch in Grenzen und ist weit, weit entfernt von dem, was wir beispielsweise aus den Citys von Haspe, Hohenlimburg oder Milspe kennen, aber die Anzahl der leeren Schaufenster nimmt langsam, aber stetig zu. Das ist nun wahrlich kein auf Hagen beschränktes Phänomen.

Der Handelsdachverband HDE hat dieser Tage einen Brandbrief an Heimatminister Seehofer geschrieben: „Viele Innenstädte in Deutschland sind in höchster Not. Früher attraktive und vitale Zentren verlieren an Zugkraft, vielerorts finden nur noch wenige Menschen den Weg in die Fußgängerzonen.“ Hagen beispielsweise war mal die Einkaufsmetropole des vorderen Sauerlandes. Ennepetaler tummelten sich hier ebenso in größerer Menge wie etwa auch Schalksmühlener oder Breckerfelder.

Gänzlich vorbei ist deren „Tummeln“ sicherlich nicht, aber kaum ein Bürger aus dem Umland kommt noch nach Hagen wegen des Einkaufs. Will man sie locken, braucht man ordentliche Angebote – etwa Stadtfeste, kulturelle Highlights oder City-Kirmessen. Dass sich die Hagener Schausteller jetzt an eine mehrtägige Karnevalskirmes herantrauen, ist vielleicht ein richtiger Schritt.

Zwischen 2012 und 2017 sind etwa 11.000 City-Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland aufgegeben worden. Zu befürchten ist eine weitere Verschiebung in Richtung Onlinehandel in den kommenden Jahren – was eine Zunahme der Leerstände verursacht. Wenn es Geschäftsneugründungen gibt, werden sie hauptsächlich von Ausländern vorgenommen. Die Deutschen ihrerseits shoppen hingegen besonders gern bei einem „ausländischen Riesen“, der nach Tilos Meinung eher fragwürdig ist – beim US-Konzern Amazon.

Der HDE fordert nun: „Die Politik darf dem Erosionsprozess nicht länger nur zuschauen!“ Der Verband fordert ultimativ Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Innenstädte.

Übrigens: Wer in der Hagener City eine Außengastronomie anbietet, muss dafür eine „fette Miete“ an die Stadt Hagen berappen. Das kann sich durchaus auf 10.000 Euro im Jahr summieren. Viel Geld. Das muss man erst einmal erwirtschaften.

Tilo