Tilo: Fast nichts

Der Scheuer Andreas stammt aus Bayern und ist ein Mann, der gern mal seinen „gesunden Menschenverstand“ bemüht. Ein „gesunder Menschenverstand“ sieht im Süden der Republik garantiert etwas anders aus als bei uns im Westen. Aber nein, wir wollen hier keine Vorurteile gegen den der CSU angehörenden Verkehrsminister schüren.

Stattdessen will sich Tilo daran erfreuen, dass sich Minister Scheuer jetzt Sorgen um die Gesundheit der Radfahrerinnen und Radfahrer macht – mit einer „Helm-Kampagne“, die auf viel nackte Haut setzt. Nett anzusehen. Vermutlich hat Scheuer früher viel Zeit unter den „Nackterten“ im Englischen Garten in München zugebracht, so dass ihm die nackte Haut einfach am Herzen liegt. Viele Frauen bei uns im Westen finden die Kampagne übrigens eher peinlich oder gar sexis­tisch. Aber ein bayrischer Mann denkt halt anders.

Sei’s drum, Tilo findet es jedenfalls, um es noch einmal zu betonen, gut, dass sich Scheuer Gedanken um die Radfahrer macht. Das ist eine Weitsicht, die man sonst vom Verkehrsminister gar nicht kennt. So hat er alles dazu getan, die von ihm „betreute“ Kommission, die Vorschläge zu einer neuen Verkehrsklimapolitik erarbeiten sollte, vor die Wand kacheln zu lassen.

Monatelang hat man beraten. Am Montag fand die entscheidende Sitzung statt. 17 Stunden lang hockten die Kommissionsmitglieder noch einmal zusammen – und was kam dabei heraus? Fast nichts. Einig war man sich nur in einem: dass wir in Deutschland in puncto Verkehr die bis 2030 gesteckten Klimaziele definitiv nicht erreichen werden. Aktuell bläst der Verkehr in Deutschland schätzungsweise 170 Millionen Tonnen CO2 jährlich in die Luft. Das Ziel war, bis 2030 unter 100 Millionen zu kommen. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt die Adria, würden die Italiener sagen.

Die Verkehrsemissionen tragen maßgeblich dazu bei, dass Deutschland seine Vorgaben aus dem Abkommen von Paris bislang deutlich verfehlt. Die Emissionen nahmen zuletzt sogar zu und nicht – wie eigentlich geplant – ab. Keine Frage, Autos und Lkw nutzen die fossilen Energien immer besser. Doch was nutzt das, wenn insgesamt auf den Straßen viel mehr LKW unterwegs sind und die Autos immer voluminöser werden?

Für die jungen Leute, die unlängst auch in Hagen für ein besseres Klima demonstriert haben, sind Scheuer und das Scheitern der Kommission jedenfalls eine Bestätigung dafür, dass wir „Alten“ die Zukunft versaubeuteln.

Tilo