Tilo: Kein Trost

Der Tsuwarmi, also die momentane Hitzewelle, scheint kein Ende zu nehmen. Egal, wohin man in den vergangenen Wochen kam, es wurde überall nur noch in „Schwitzerdeutsch“ über die Gradzahlen geklagt. Auch dem einen oder anderen bayrischen Politiker scheint die Hitze zu Kopf gestiegen zu sein – etwa Innenminister Horst Seehofer. Oder seinem Polter-Zwilling Markus Söder. Aber die Quittung haben sie prompt erhalten – die beiden „Möchtegern-Abschiebe-Könige“ stehen in der aktuellen Beliebtheits­skala des ZDF-Barometers mit Riesen-Abstand tief, tief unten.

Bei einer anderen Umfrage ergab sich für den bayrischen Ministerpräsidenten Söder ein ähnlich katastrophales Ergebnis. Eine Erhebung für die Fernsehsender RTL und NTV förderte zu Beginn der Woche hervor, dass zwei Drittel aller Bayern-Wähler mit Söders Arbeit unzufrieden sind. Einen derartig miesen Wert erreicht kein anderer deutscher Ministerpräsident, auch NRW-Vorturner Armin Laschet nicht, obwohl sich seine Werte ebenfalls im Keller „tummeln“.

Söder und seinen eigenen Störmanövern zum Trotz glaubt Seehofer, dass die CSU in wenigen Wochen bei der Landtagswahl wieder die absolute Mehrheit holen wird. Lassen wir ihn in dem Glauben. Wahrscheinlich war’s die Hitze, die ihn zu dieser Aussage veranlasst hat.
Sei’s drum.

In NRW werden viele Menschen und vor allem die meisten Garten-Fans – wovon es bekanntlich ziemlich viele gibt – sowieso weniger von Seehofer und mehr vom Buchsbaumzünsler entnervt. Tilos Nachbarin Olivia beispielsweise ist völlig vernarrt in Buchsbäume. Überall in ihrem Garten im Lennetal stehen die ansehnlichen Pflanzen. Gekauft hat sie die Gewächse, als sie noch recht klein waren. Weil Olivia den „grünen Daumen“ besitzt, wuchsen die Bäumchen recht schnell zur prächtigen Augenweide heran.

Doch jetzt kam der Zünsler und vergällt Olivia die Freude an ihren wundervollen Buchsbäumen. In vielen NRW-Städten ist das gefräßige Tierchen längst auf dem Vormarsch. Der Buchsbaumzünsler stammt aus Ostasien und wurde erstmals 2006 in Deutschland nachgewiesen. Er gilt als bedeutendster Schadenserreger an Buchsbäumen – neben dem Buchsbaumtriebsterben, einer Pilzerkrankung.

Fraß-Schäden entstehen zunächst an den Blättern im Inneren der Pflanze. Später fressen die Raupen auch an der Rinde der dünnen bis mittleren Zweige. Ein Befall kann zum Absterben der gesamten Pflanze führen. Drei oder vier Raupen können einem kleineren Buchsbäumchen in kürzester Zeit den Garaus machen.

Olivia wird ihre Bäume wahrscheinlich entsorgen müssen – das ist ein Schaden, der allein bei ihr in die Hunderte geht. In vielen alten Barock-Gärten sieht das noch viel schlimmer aus. Und dieser Schaden hat – anders als bei den bereits nach Steuergeldern rufenden Landwirten – tatsächlich nichts mit der derzeitigen Hitzewelle zu tun. Aber das ist nun wahrlich auch kein Trost.

Tilo