Tilo: Noch schlimmer

Der ADAC prophezeit für Freitag verkehrstechnisch einen der schlimmsten Tage des Jahres. Vielen wichtigen Straßen drohe vermutlich der Kollaps – wegen Ferien, Wochenende und Weihnachten. Oh je, da mag man sich gar nicht ausmalen, was in Hagen dräut. In unserer Innenstadt haben wir den Kollaps eigentlich bereits jeden Nachmittag. Zwischen Haspe und der anderen Seite des Innenstadttalkessels geht dann oft gar nichts mehr. Freundin Johanna hat für die paar Kilometer neulich geschlagene eineinhalb Stunden benötigt.

In der Volmestadt mit ihren rund 100.000 Fahrzeugen kommen gleich mehrere Faktoren zusammen. Zum einen ballt sich der Verkehr im Innenstadtbereich auf lediglich wenigen Straßen zusammen. Zum anderen haben die Autobahnen rings um Hagen wegen der vielen Baustellen ein hohes Staupotential. Das wiederum führt dazu, dass viele auswärtige Autofahrer glauben, sie könnten das Westhofener Kreuz quasi umfahren, in dem sie quer durch die Volmestadt „abkürzen“. Drittens haben wir in Hagen mittlerweile viele kaputte Brücken und obendrein mit Diesel-Emissionen derart hoch belastete Straßen, dass sich vor allem die LKW und großen Lieferwagen auf immer weniger Strecken durch unsere engen Täler „quetschen“ müssen.

Da rächt sich natürlich, dass viele Brückenreparaturen und auch die Diesel-Probleme lange nicht genügend behandelt worden sind. Ein typisches Beispiel ist das Durchfahrtsverbot für LKW in der „Finanzamtsschlucht“. Schon vor etlichen Jahren haben Tilo und seine Kollegen immer wieder darauf verwiesen, dass hier eine radikale (und leider nicht sonderlich preiswerte) Lösung vonnöten sei. Angeregt wurde unter anderem, alle – wegen der Diesel-Rußpartikel etc. eigentlich eh unbewohnbaren – Häuser auf der Nordseite abzureißen, um auf diese Weise mehr Raum für den Verkehr und für die „Entlüftung“ zu schaffen.

Stattdessen wurde hier – genau wie am Hauptbahnhof – eine LKW-Umfahrung eingerichtet, die zu weiteren Verstopfungen führt. Doch gebracht haben diese Umfahrungen nicht allzu viel, die sehr, sehr hohe NO-Giftbelastung auf dem Innenstadtring ist großenteils geblieben.
Jetzt haben wir prompt den Salat: Die Deutsche Umwelthilfe will auch in Hagen Diesel-­Fahrverbote gerichtlich einklagen, anderswo war sie mit solchen Klagen außerordentlich erfolgreich.

Der Philosoph weiß: Nichts ist so schlimm, als dass es nicht noch schlimmer kommen kann. Wie Recht er hat.

Tilo