Tilo: Nummer 2

Etliche AfD-Anhänger und Verschwörungstheoretiker wollen es zwar nicht so richtig wahrhaben, aber es geht wohl kein Weg vorbei an der Erkenntnis, dass der von uns Menschen verursachte Klimawandel im vollen Gange ist – und dass er sogar schneller abläuft, als lange gehofft. Salopp formuliert könnte man sagen: Tilos Generation hat – umweltpolitisch betrachtet – derart in Saus und Braus gelebt, dass die Erde in einem nicht unerheblichen Maße „verfrühstückt“ ist. Wir haben unseren Kindern möglicherweise eine Hypothek aufgebürdet, die diese künftig nur schwer werden schultern können.

Diese Erkenntnis ergibt sich jedenfalls aus dem Uno-Weltklimaratsbericht, der am Montag in Korea veröffentlicht wurde. Er rät uns allen dringend dazu, schleunigst umzusteuern, um die Erderwärmung auf unter 1,5 Prozent begrenzen zu können. Aktuell liege man bei einem Prozent. Angestrebt wurden bislang „unter 2 Prozent“, aber das reiche nicht, sagt der Bericht.

Notwendig seien deshalb „schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen“. Geschehe nichts, werde die 1,5-Grad-Marke vermutlich bereits 2030 erreicht. Erhebliche Folgen wie häufiges Extremwetter und ein deutlich steigender Meeresspiegel seien dann endgültig unabwendbar. „Die kommenden Jahre sind vermutlich die wichtigsten in der Menschheitsgeschichte“, sagen die Autoren des Berichts.

Die Grünen – sozusagen Deutschlands Umweltwächter seit 40 Jahren – dürfen sich bestätigt fühlen. Auch die Wähler scheinen diese Haltung honorieren zu wollen. Das jedenfalls ergibt sich aus den Prognosen für die Landtagswahlen in Bayern und Hessen. Denn während alle Welt schockiert und empört auf die ostdeutschen Pegida-Krawallmacher schaute, haben sich heimlich, still und leise die Grünen in großen Teilen des Staates zur aktuellen Nummer 2 gemausert.

In Bayern dürfen sie – wenn die Propheten Recht behalten – mit 18 Prozent rechnen (gegenüber zehn Prozent bei der AfD). Ähnlich sieht es in Hessen aus. Und wenn bei uns in NRW am Sonntag gewählt werden würde, müsste sich Schwarz-Gelb in Düsseldorf mit zusammen nur noch 39 Prozent warm anziehen. Auch hier sind die Grünen im Aufwind – Hambach lässt grüßen. Knapp hinter der SPD und klar vor der AfD wären ihnen derzeit um die 17 Prozent gewiss.

Interessant ist, dass beide „Aufsteiger“-Parteien – also AfD und Grüne – stärker als die anderen Parteien auf „Angst“ setzen. Die einen malen die Zuwanderung als Schreckgespenst an die Wand und verharmlosen den Klimawandel. Bei den Grünen läuft’s genau umgekehrt. In 15 Jahren wissen wir, wer richtig lag – höchstwahrscheinlich werden’s die Grünen sein.
Tilo