Tilo: Steuerkohle raus

Die „öffentliche Hand“ – also Behörden aller Art – hauen gerne die Kohle des Steuerzahlers mit vollen Händen raus. „Flinten-Uschi“ (Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen) beispielsweise erfreut besonders häufig alle Arten von Beratern mit Millionenverträgen.

Oder man nehme den naßforschen Münsterländer Jens Spahn, seines Zeichens Bundesgesundheitsminister. Der gibt gerne Studien in Auftrag. Die kosten meist um die 400.000 Euro. Mit einem neuen Vorhaben schießt er jetzt jedoch den Vogel ab: Eine vom Kabinett bewilligte „Studie zu den psychischen Folgen von Abtreibungen“ möchte er sich fünf Millionen Euro kosten lassen. Dabei existieren längst erschöpfende Studien zu diesem Thema. Jetzt schwebt der böse Verdacht im Raum, er wolle sich „weit rechts“ einschleimen – also bei fundamentalistischen Abtreibungsgegnern, die es ja durchaus in der Bundesrepublik hier und da gibt.

Aber wir müssen gar nicht bis nach Berlin schauen, um hohe Kosten zu bestaunen. Blicken wir einfach mal zum Hagener Museumsplatz. Der dortige Schumacher-Museumsbau ist gute Architektur, das jedenfalls empfindet Tilo so. Doch die Bauausführung vor zehn Jahren war alles andere als eine „gelungene Erfolgsgeschichte“. Insbesondere die komplizierte Technik ließ von vornherein zu wünschen übrig und sorgt seitdem für nachhaltigen Kummer.

Jetzt müssen erneut 450.000 Euro in die Hand genommen werden, sie fließen aber gar nicht in den eigentlichen Museumsbau, sondern in das benachbarte, ebenfalls vor genau zehn Jahren geschaffene Schumacher-Verwaltungs- und -Restaurantgebäude. Genauer: die vielen, vielen Euro sind nur für das Restaurant vorgesehen. Die Begründung ergibt sich aus der Antwort von Oberbürgermeister Erik O. Schulz auf eine Anfrage von Werner König (SPD): „Ausschließlich für die komplette Sanierung der raumlufttechnischen Anlagen muss ein Betrag in Höhe von circa 450.000 Euro aus städtischen Mitteln aufgewendet werden. Die Sanierung der raumlufttechnischen Anlagen ist zwingend erforderlich, um eine Stilllegung des Restaurantbetriebes abzuwenden. Es besteht eine rechtliche Verpflichtung aus dem Pachtvertrag, eine technisch einwandfreie Anlage bereitzustellen.“

Wie bitte? Der Bau ist gerademal zehn Jahre alt und schon nach so kurzer Zeit muss die „raumlufttechnische Anlage“ in der relativ kleinen Gaststätte für 450.000 Euro saniert werden? Kann das, oder besser: darf das sein?

Wenn Tilo im Rat säße, würde er jetzt so richtig neugierig werden…

Tilo

 

 

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