Tschüss Knackis

Tilos Freund Christoph ist traurig. Der Mann wohnt mit seiner Familie in Halden und hatte sich schon darauf gefreut, bald einen Knast anstelle eines Gewerbegebietes vor seiner Haustür zu haben. Doch daraus wird nichts. Momentan graben schräg gegenüber vom Dolomitwerk zwar immer noch die Archäologen nach den vergessenen Scherben von irgendwelchen Mittelalter-Töpfern. Aber wenn ihre Grabung abgeschlossen ist, geht im Oktober die weitere Erschließung los.

Zur Erinnerung: Zu Beginn der 90er Jahre suchte die Stadt Hagen neue Gewerbeflächen. Schnell wurde man auf die landwirtschaftlichen Flächen zwischen Halden und Herbeck aufmerksam. 304.000 Quadratmeter Bauland zwischen Sudfeld und Hammacher! Da jubelten die Wirtschaftsförderer. Von einem Glücksfall war die Rede. Wörtlich, geradezu von Wolke Sieben: „Hier liegt die Chance für Hagen, sich als Standort mit Zukunft auch überregional zu präsentieren.“

Fast zwanzig Jahre später ist zwar das Sudfeld mit Gewerbebauten fast gefüllt. Doch über den weiteren Gebieten des „Glücksfalls“ lag eher Trost- und Ratlosigkeit. In diese Situation preschte Ende 2009 die damalige schwarz-gelbe NRW-Landesregierung unter Jürgen Rüttgers. Der Rüttgers-Club versprach, in „Herbeck-West“ einen großen Knast zu bauen – mit Hunderten von sicheren Arbeitsplätzen. Für die Anwohner hätte dies zwar eine hässliche Beton-Kiste vor der Nase bedeutet, aber ansonsten hätte Ruhe „im Karton“ geherrscht: Wenig Verkehr, kein Arbeitslärm…

Doch Düsseldorf versalzt Freund Christoph jetzt die Suppe. In NRW regiert jetzt Rot-Grün unter Hannelore Kraft. Und in der Kraft-Brühe köcheln natürlich ein paar andere Nüdelchen als beim Vorgänger. Auch die Herbecker Knast-Pläne wurden in den Ausguss geschüttet. Deshalb hat die Stadt Hagen jetzt wieder ihr altes Vorhaben hervorgekramt, in Herbeck-West ein „normales“ Gewerbe anzusiedeln.

Rathaus-Vize-Chef Dr. Christian Schmidt behauptet sogar frohgemut, für etwa zwei Drittel der zur Verfügung stehenden 65.000 Quadratmeter bereits mehrere Bauherren in petto zu haben. Die würden haste-was-kannste loslegen, sobald die Archäologen im September fertig sind.

Das hieße, nach „nur“ zwanzigjährigem Planungs-Geeiere käme endlich Leben in die „Herbecker Bude“ – Tilo kann‘s kaum glauben. Jeder Gletscher bewegt sich schneller. Und Freund Christoph? Na, der wird‘s verschmerzen müssen, ohne Knackis, dafür mit bester Aussicht auf ein steigendes Bruttosozialprodukt. Hoffentlich.

Tilo