Übersehen

Ist doch schön, dass wir in Hagen eine aufmerksame Polizei haben. Die versorgt uns auch gerne mit Erfolgsmeldungen, zum Beispiel ganz aktuell:

„Bei einer gezielten Kontrolle am Friedrich-Ebert-Platz meldeten zwei Beamte in ziviler Kleidung ihren Kollegen an den Kontrollstellen auf dem Märkischen Ring und der Heinitzstraße über Funk, welche Fahrzeugführer nicht angeschnallt waren, während der Fahrt telefonierten oder eine durchgezogene Linie durchfuhren. Ihr Hauptaugenmerk legten die Beobachtungsposten allerdings auf Autofahrer, die beim Linksabbiegen das Rotlicht an Hagens größter Kreuzung überfuhren.“

Leider ging den aufmerksamen Beamten ein Wagen durch die Lappen:

Tilo hatte im Dunstkreis des Ebert-Platzes seine Mittagspause verbracht. Danach strebte er mit schnellen Schritten wieder zurück ins Büro – geradeaus durch die Mittelstraße. Plötzlich hörte er ein Fahrzeuggeräusch hinter sich. Kann ja gar nicht sein, dachte Tilo. Denn am frühen Nachmittag ist das Fahren in der Fußgängerzone eigentlich verboten.

Doch das Motorgeräusch kam rasch näher. Geht gar nicht, dachte Tilo. Schließlich darf man – wenn man denn tatsächlich durch die FuZo fährt – nur im Schritttempo unterwegs sein. Und weil Tilo wirklich schnell ging, hätte das Fahrzeug auf gar keinen Fall näher kommen dürfen…

Doch ein kurzer Blick über die Schulter belehrte hin: direkt hinter ihm fuhr ein Streifenwagen. Nun ja, dachte Tilo diesmal, es wird sich um einen Einsatz handeln. Also machte er Platz. Der Blaulichtwagen nahm nun erst recht Fahrt auf und stoppte nur wenig später mitten in der Mittelstraße – und das auch noch entgegen der Fahrtrichtung. Zwei Beamte hatten es brandeilig, den Wagen zu verlassen. Ein dritter hantierte noch kurz am Kofferraum und folgte dann hurtig seinen Kollegen.

Aha, dachte Tilo jetzt, tatsächlich ein Einsatz. Offenbar gab es ein Problem in der Imbiss-Bude. Waren hier Zechpreller unterwegs? Döner-Diebe? Pommes-Räuber? Ketchup-Ganoven?

Tilo – jetzt dienstlich neugierig geworden – eilte hinzu. Um just den entscheidenden Satz zu hören: „Drei Döner bitte!“

Junge, Junge, da hatten doch tatsächlich drei Hagener Beamte wegen drei Döner gegen mindestens drei Gesetze verstoßen. Aber das haben die „zwei Beamte in ziviler Kleidung bei ihrer gezielten Kontrolle am Friedrich-Ebert-Platz“ wahrscheinlich schlichtweg übersehen. Schließlich kann man ja nicht überall seine Augen haben…