Urlaub für den Urlaub

Vor 30 Jahren forderte Joseph Beuys – seinerzeit Deutschlands wichtigster Künstler – in einer spektakulären Aktion „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“.

Ein Leben ohne Rathaus? Nicht schlecht! Aber kaum zu verwirklichen. Zumal uns unsere Beamten lieb und teuer sind. Etwa die Frauengleichstellungsbeauftragte der Stadt Hagen. Alle Jahre wieder gibt sie einen Frauenförderplan heraus. Ein opulentes Werk. Tilo fragt sich, wer den dicken Wälzer liest. Der Erkenntniswert ist eher gering. Etwa, wenn festgestellt wird, dass die holde Weiblichkeit immer noch keine große Lust verspürt, sich um einen Job bei der Feuerwehr zu bewerben. Diese Tatsache könnte man mit ein, zwei Sätzen abhandeln. Das wäre wohl zu einfach. Stattdessen gibt es dafür fast zwei Seiten Schwallgedröhns. Schade um das Papier.

Aber im Vergleich zu den EU-Beamten sind unsere Rathäusler wahre Sparmeister. Wer in Brüssel arbeitet, darf sich über allerlei Vergünstigungen freuen.

Wenn man beispielsweise heiratet, bekommt man fortan eine monatliche Haushaltszulage in Höhe von 150 Euro. Einfach so. Und wer ein Kind in die Welt setzt, darf sich – unabhängig vom Kindergeld – über monatlich weitere 330 Euro freuen. Und schickt der Beamte das Kind auf eine Privatschule, gibt es weitere 220 Euro pro Monat.

Jede Überstunde mitten in der Woche wird mit einer vollen Zusatzstunde honoriert und am Wochenende erhält man deren zwei.

Auch in Sachen Urlaub gibt es tolle Vergünstigungen. Etwa, wenn ein Beamter umzieht. Während unsereins überhaupt keinen Anspruch auf einen bezahlten Umzugstag hat, können die Brüsseler Amtspersonen davon gleich zwei einsacken. Und steht ihr normaler Jahresurlaub vor der Tür, dürfen sie sich über mehrere Tage Extra-Urlaub freuen – fürs Ein- und Auspacken. Sozusagen Urlaub für den Urlaub.

Tilo hat hier nur einige wenige Klopper aufgelistet – das EU-Beamtengesetz ist voll damit. Nur ein Paragraf fehlt: dass ein EU-Beamter überhaupt eine Leistung erbringen muss.

Ärgerlich.