Verpennt

Tanta Alma wohnt auf Emst und besitzt dort ein wertvolles Häuschen. Nun ist Tante Alma schon im fortgeschrittenen Alter und fragt sich, wie ihr Eigentum möglichst so an Sohn und Tochter vererbt werden kann, dass keine Steuern anfallen. Obendrein möchte sie sicherstellen, dass das Haus nicht unter den Hammer gerät, wenn aus ihr ein Pflegefall wird.

Was macht Tante Alma? Sie wendet sich an einen spezialisierten Anwalt und beauftragt ihn, „Schlupflöcher“ zu finden, damit sie möglichst gar nichts an den Staat bezahlen muss. Fälle dieser Art kommen in Hagens Anwaltskanzleien ständig vor. Das, was Alma anstrebt, ist ein völlig legitimes Anliegen.

Ähnliches passiert im übertragenen Sinne tagtäglich in der Welt der Reichen, Superreichen und der globalen Konzerne. Da hat beispielsweise Apple eine Kanzlei beauftragt, für den neuen Firmensitz einen Staat zu finden, der dem Smartphone-Riesen null Euro Steuern abknöpft.

Nun können wir auf Apple mit dem Finger zeigen und sagen, das sei moralisch „unter aller Sau“, aber gesetzeswidrig ist es nicht. Denn, um mit dem Spiegel-Kommentator Rudolf Augstein zu sprechen: „Wer reich ist und nicht teilen will, der muss gar keine Gesetze brechen. Die Gesetze sind ja für ihn gemacht. Steuern zahlen nur Idioten und Arme.“

Wie recht Augstein hat, zeigt der aktuelle Fall des weltbesten Runden-Drehers Lewis Hamilton. Der Formel-1-Weltmeis­ter rast nicht nur gerne über Rennpisten, sondern auch mit dem eigenen Jet um den Globus. Sein schniekes Flugzeug hat er über die Insel Man in die EU eingeführt. Weil er diesen „kleinen Umweg“ nahm und einige Tricks anwandte, konnte er „mal eben“ mindestens vier Millionen Euro an Einfuhrumsatzsteuern sparen. Denn die 80.000-Einwohner-Insel Man ist für ihre „wundervollen Steuer-Schlupflöcher“ bei den Reichen Europas weithin berühmt.

Die Insel in der Irischen See genießt nämlich den Vorteil, sozusagen „nur halb“ zu Großbritannien und zur EU zu gehören. Sie ist „autonomer Kronbesitz“ und somit direkt der Queen unterstellt. Sprich: bei vielen Gesetzen darf die Insel ihr eigenes Süppchen kochen. Europa hat es in der Vergangenheit leider verpennt, etwas dagegen zu unternehmen. Ähnlich verhält es sich übrigens mit der Kanalinsel Jersey.

Die Steuertricksereien der Reichen und der globalen Konzerne kosten allein Deutschland jährlich 15 bis 20 Milliarden Euro, schätzen Experten. Man stelle sich vor, dieses Geld stünde armen Kommunen wie Hagen zur Verfügung.

Tilo