Vorbild Bremerhaven

Wo verbrachten Hagens Häuptlinge ihre Ostertage? Keine Ahnung. Tilo besuchte Bremerhaven, die Stadt an der Mündung der Weser in die Nordsee.

Vor 12 Jahren war er zuletzt dort. In seiner Erinnerung war Bremerhaven eine trostlose Graugrünwüste in Lego-Architektur, so gemütlich wie die Lagerhalle einer Brikettfabrik. Eine Stadt, die ihre besten Jahre lange hinter sich hatte: Jeder Vierte war arbeitslos, in der Fußgängerzone leere Schaufensterhöhlen, die Einwohnerzahl im steten Sinkflug. 1970 wohnten 150.000 Menschen dort, die Stadtplaner bauten für 180.000 Einwohner. Tatsächlich gab es eine Bauchlandung – Bremerhaven zählt heute 115.000 Eingeborene.

Keine Arbeitsplätze, keine Attraktionen, keine Hoffnung – viele Menschen zogen fort. Die völlig überschuldete Gemeinde machte fast alles dicht, was nicht unbedingt am Leben erhalten werden musste. Eine Stadt mit dem Charme eines ur-ungemütlichen Großparkhauses.

Das erinnerte alles ein wenig an das heutige Hagen.

Tilos Erwartungen waren also auf Tiefgarage eingestellt. Doch weit daneben getippt! Er kam am Ostersamstag aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er besuchte eine echte Boomstadt. Große Teile der City erschienen wie verwandelt. Menschentrauben aus aller Welt – Touristen! – flanierten durch den Ort.

Das langweilige, ascheneimergraue todgeweihte Bremerhaven gibt es nicht mehr. Mit neuen Gewerbegebieten und zahlreichen Museen werden wieder Menschen angelockt. Arbeitskräfte wie Besucher. Allein das fulminante „Klimahaus“ – ein einhundert Millionen teurer Ausstellungsort ganz besonderer Qualität – verzeichnet in kurzer Zeit etwa eine Million Gäste. Gerechnet hatte man „nur“ mit 600.000. Und auch die Einwohnerzahl hat ihren Sinkflug beendet – es geht wieder aufwärts.

Bald ist Pfingsten. Eine gute Gelegenheit für Hagens Stadtväter, einen Wochenend-Trip nach Bremerhaven zu unternehmen. Da kann man offenbar lernen, wie aus einer mageren Kirchenmaus-Gemeinde eine blühende Metropole gemacht wird.

Geht doch!