Warten auf den Kommissar

In der letzten Hagener Ratssitzung wurde klar: An der Volme ist – bezogen auf die städtischen Finanzen – absolut „Feierabend“.

Insbesondere der Regierungspräsident (RP) in Arnsberg hat die „Faxen dicke“. Das verwundert nicht. Schon der Vorgänger des heutigen RP Gerd Bollermann (SPD) – der Hagener Helmut Diegel (CDU) – hatte die Nase voll von der volmestädtischen Schönfärberei, die ihm die seinerzeitige Stadtregierung unter Oberbürgermeister Peter Demnitz ein ums andere Mal unterjubelte. Zur Erinnerung: Es war Demnitz, der einen großen Teil jener Unterschriften leistete, die zum 40-Millionen-Euro-Zinswetten-Desaster geführt haben. Dennoch durfte er merkwürdigerweise bis zum normalen Ende seiner Dienstzeit in Amt und Würden bleiben.

Diegel zog Konsequenzen aus der offensichtlichen Ahnungslosigkeit und Überforderung der damaligen Stadtspitze. 2008 und 2009 war der Grüne Stefan Bajohr als sogenannter „Mentor“ in der hochverschuldeten Stadt tätig. Er sollte die Sanierung des städtischen Haushalts überwachen. Aber er hatte zu wenig Macht. So scheiterte auch er am Unwillen und Unvermögen der Hagener Politiker.

Oberbürgermeister Jörg Dehm muss also derzeit ein unappetitliches Süppchen auslöffeln, das andere ihm eingebrockt haben. Er tut es planvoll und effizient, obwohl ihm immer wieder kräftig in die Suppe gespuckt wird. So baute die Stadt den Verwaltungs-Wasserkopf um 200 Stellen ab. Auch im Hinblick auf fluppigere Abläufe in den Ämtern kommt der OB gut voran.

Aber es reicht nicht. Immer noch fehlen viele Millionen. Die zu „finden“, ist nicht leicht. Zumal heimische Politiker zu gerne mit Unterwasser-Torpedos die Sparrechnung anschießen. Beispiel Hallenbad Hohenlimburg. Es ist so „dünn“ besucht – hohe Kosten, kleine Einnahmen -, dass es längst geschlossen sein müsste. Aber eine Hohenlimburger Interessenskoalition im Rat mauert – allen Sparzwängen und aller Vernunft zum Trotz. Solche Fälle gibt es viele.

Wahrscheinlich sucht RP Bollermann längst nach einem Sparkommissar für Hagen. Der könnte (anders als ein Mentor) schalten und walten wie er wollte – ohne Rücksicht auf Stadtteil- oder sonstige Befindlichkeiten. Es wird gemunkelt, viele Hagener Politiker hoffen darauf. Dann könnte man im nächsten Wahlkampf alles, was es bis dahin an Schließungen und anderen Grausamkeiten gibt, stets Bollermann und seinem Spar-Terminator in die Schuhe schieben…

Was für ein unehrliches, verantwortungsloses, erbärmliches, würdeloses Schauspiel!