Wie ein Gartenschlauch

„Höflichkeit ist wie ein Luftkissen: Es mag wohl nichts drin sein, aber es mildert die Stöße des Lebens.“ Dieses Sprichwort ist schon 250 Jahre alt und es beweist, das Problem ist nicht neu.

Auch Tilo hat schon viele unappetitliche Zeitgenossen durch den Kakao gezogen, die sich wie ein losgelassener Gartenschlauch benommen haben. Das muss einfach sein, denn – gefühlt – haben inzwischen immer mehr Leute ihr Fingerspitzengefühl in die Ellbogen verlegt. Das Wort Respekt stammt eigentlich aus dem Lateinischen. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es „Rücksicht nehmen“ oder „etwas anerkennen“. Doch damit ist es oft nicht weit her. Stattdessen: Dreist und frech als allgemeines Lebensgefühl?

Wohin das führt, erleben wir alle tagtäglich – beim Einkauf, bei der Busfahrt, im Autoverkehr, am Arbeitsplatz oder auch am Telefon. Da mangelt es vielen Menschen schlichtweg an Höflichkeit und Rücksicht.

Wenn diese nervigen Brausebirnen es wenigstens selber merken würden! Wenn sie wüßten, wie sie sich durch ihr Verhalten von ihrer Umwelt abkapseln und sie als Dummsnüsse durchlaufen! Haben solche Figuren echte Freunde? Sind sie glücklich? Können sie mit der Hilfe anderer rechnen? Schwer vollstellbar. Es gibt die schöne Geschichte aus Fernost, wo ein Schüler seinen Meister fragt, ob es Schwächen gibt, die man nicht verbergen kann. „Es gibt drei solche Schwächen“, antwortet der Meister: „Armut, Keuchhusten – und schlechte Erziehung.“

Jetzt hat auch die Politik gemerkt, dass da offensichtlich ‚was schief läuft. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat kurz vor dem Heiligen Abend den „schleichenden Werteverfall im täglichen Umgang“ beklagt. Wörtlich sagte sie: „Überall kann man beobachten, dass Respekt und Anstand verloren gegangen sind.“

Ui, ui: Hannelore und Tilo – Hand in Hand! Die Ministerpräsidentin möchte ihre hehren Worte nicht verhallen lassen. Sie will 2013 eine „Woche des Respekts“ ausrufen.

Tilos Unterstützung ist groß, seine Hoffnung, ob es was bringt, ist gering. Oder können Sie sich vorstellen, dass – nach einer Woche des Respekts – der berühmte Götz von Berlichingen mit seinem unsterblichen Spruch („Sag Deinem Kaiser, er könne mich am Arsch lecken!“) beim nächsten Mal am Burgfenster runterruft: „Ich küsse Ihre Hand, Madame!“???

Nein, wir werden wohl weiter mit diesen Brezel-Figuren leben müssen, die ständig ihren inneren Schweinehund von der Leine lassen. Wir werden uns anfangs etwas ärgern, wenn uns so ein(e) Gossen-Protz(in) mal wieder über den Weg gehoppelt ist. Dann aber werden wir unser Mitgefühl hervorkramen und hoffen, dass mit Hannelores und des Himmels Hilfe diese Flachpfeifen irgendwann mal selber merken werden, dass Anstand und Höflichkeit die Zuckerwatte eines lebenswerten Zusammenlebens sind.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser, umfahren Sie weiträumig alle Leute mit schlechtem Benehmen und kommen Sie gut durch 2013!