Wie Gemsen-Abzeichen

„Wir haben schlechte Nachrichten: Uns geht‘s gut! Nie war die Lage besser. Diese und andere Erfolgsmeldungen will nur keiner richtig wahrhaben.“ Mit diesen Schlagzeilen verkündet das Wochenblatt „Die Zeit“, was wir eigentlich alle wissen: Uns Deutschen geht es so gut wie nie zuvor in unserer Geschichte. Es bleibt fast nichts, wo wir bei ehrlicher Betrachtung ein Haar in der Suppe finden können. Gut, dass uns wenigstens die Zyprioten in Atem halten.

Die Hagener hätten vielleicht doch einen Grund, sich auf hohem Niveau aufzuregen. Über die Betreuung der Unter-Dreijährigen. Eigentlich sollen ab Sommer mindestens 33 Prozent dieser Kinder in einer entsprechenden Einrichtung untergebracht werden. Und welche Quote schaffen wir tatsächlich an der Volme? Rund 25 Prozent. Damit gehört Hagen – neben Schwerte – zu den Schlusslichtern bei der U-3-Betreuung in der Region. Beide Kommunen haben die landesweite Zielvorgabe verfehlt. Eine echte Blamage.

Aber es gibt auch ein Jubel-Ereignis. Hagen gehört zu den ersten ausgewiesenen „Europaaktiven Kommunen“ in NRW. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird am 12. April 2013 insgesamt 25 Städten und Kreisen diese bunte Feder an den Hut heften. Tilo macht sich vor Aufregung in die Hose, ehrlich.

Die Landesregierung vergibt die Ehrung in diesem Jahr zum ersten Mal. Partner sind die Regionale Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn und die Bertelsmann-Stiftung. Die Auszeichnung soll künftig jährlich vergeben werden.

Dürfen wir Hagener jetzt mit breiter Brust durchs Land spazieren? Tilo meint: Da können wir so stolz drauf sein wie auf das blecherne Gemsenabzeichen des Tiroler Gletschervereins. Also mal ganz ehrlich: Wäre es nicht besser, wenn wir weniger europa-aktiv wären und stattdessen die U-3-Quote geschafft hätten…?