Zement-Park

Zugepflastert: Im Volkspark werden auf den bislang „erdenen“ Wegen jetzt Betonplatten verlegt. (Foto: Michael Eckhoff)

Die Nazis haben uns in Hagen mancherlei beschert. Eine zerbombte Stadt, Not und Elend, jede Menge Bunker und Stollen – und den Volkspark in der City. 80 Jahre später sind von diesem Park allerdings nur noch schäbige Reste übrig. Tendenz: weiter zusammenschmurgelnd.

Der Volkspark war ursprünglich ein privater Garten. Direkt vor Kopf der Bahnhofstraße stand seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Villa der Familie Funcke. Und die Funckes, schwerreiche Industrielle, besaßen eine ausgedehnte Grünanlage hinter ihrem Haus. Der letzte Hauseigentümer aus der Funcke-Dynastie hieß Theodor Springmann. Nach ihm wurde die nahebei verlaufende Springmannstraße benannt. Nach seinen Tod kamen Villa und Park in öffentlichen Besitz. In die Villa zog in den 30er Jahren eine Militärbehörde ein. Der Garten wurde zum Volkspark.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man zunächst die Bahnhofstraße bis zum Rathaus durchziehen. Dann entschlossen sich die Stadtväter, den Park als „grüne Lunge“ zu erhalten. Aber die grüne Lunge wird seitdem angeknabbert – wie eine Raucher-Lunge vom Teer. Zunächst fraßen sich die „Musikmuschel“ und ein Reisepavillon ins Grün. Ein Auto-Parkhaus und ein – mehrfach vergrößerter – Spielplatz nagten an der Fläche. Später auch das Jugend-Info-Zentrum (heute Verbraucherzentrale), eine Zufahrtsstraße, ein Café-Anbau und eine Brunnen-Anlage. Obendrein entstanden mehrere gepflasterte Plätze.

Wo früher Grün satt war, sehen wir heute hauptsächlich Beton. Aktuell werden die „Grau-Flächen“ erneut vergrößert – die bislang „erdenen“ Wege erhalten ein Pflaster. Dabei werden die Pfade offenbar gleich ein bisschen verbreitert – zu Lasten der Grünfläche.

Wenn‘s so weiter geht, wird spätestens in 20 Jahren der letzte Rasen aus dem Volkspark verschwunden sein. Tilo vermutet: Bereits jetzt leben wahrscheinlich mehr Einwohner in Hagen als Grashalme im Volkspark. Langsam können wir damit anfangen, jedem einzelnen grünen Stängel einen eigenen Namen zu geben.

Und die ganze Anlage sollten wir gleich mit umbenennen. „Beton-Lunge“ oder „Pflaster-Platz“ passt besser.