Wenn die Teermafia kommt…

Drückerkolonnen erschrecken Senioren

Am 7. Juli dieses Jahres lichtete Lothar Handge den Kastenwagen der britischen Drückerkolonne ab, die den Hof der Eickertschule asphaltieren wollte. Der Angestellte der Stadtbildstelle gab das Foto an die Polizei weiter. Bislang erfolgte jedoch keine Reaktion. (Foto: Lothar Handge)

Hagen. (anna) Ende September berichtete der wochenkurier unter dem Titel „Vorsicht, britische Drücker!“ von einer Drückerkolonne, die eine 71-jährigen Seniorin in Eilpe in Angst und Schrecken versetzte. Mehrere Englisch sprechende Männer hatten einfach angefangen, die Garageneinfahrt der Seniorin aufzuhacken, um sie später für teures Geld wieder mit Teer verfüllen zu wollen. Durch den beherzten Einsatz des Sohnes wurde Schlimmeres verhindert. Die Teermafia gab auf und flüchtete. Die vom Sohn informierte Polizei hingegen kam nicht.

Auch Lothar Handge, angestellt bei der Stadtbildstelle der Stadt Hagen, machte merkwürdige Erfahrungen mit diesen britischen Arbeitern, die von ihrer letzten Baustelle immer ein bisschen Teer überhaben, das sie billig verkaufen wollen.

Hartnäckig

„Am 7. Juli, dieses Jahres fuhr gegen 9.55 Uhr ein weißer Kastenwagen mit britischen Kennzeichen auf den ehemaligen Schulhof der Eickertschule. In dem Schulgebäude befindet sich heute auch die Stadtbildstelle. Schnell sah sich Lothar Handge mit einem gut Deutsch sprechenden Briten konfrontiert, der einen äußerst gepflegten Eindruck machte. Er erklärte, dass er und seine Leute noch genug Asphalt überhätten, um den Platz vor dem Gebäude auszubessern. „Als ich dem Mann, zusammen mit dem Hausmeister der Schule, der inzwischen hinzugekommen war, erklären wollte, dass ich so eine Entscheidung nicht treffen könne, wurde er etwas unfreundlicher, blieb aber hartnäckig bei der Sache“, erinnert sich Lothar Handge, „er wollte partout den Schulhof reparieren.“

Erst als der Brite wirklich kapiert hatte, dass mit Lothar Handge kein Geld zu machen war, rückte er schließlich ab. „Ich fotografierte schnell das Auto wegen des Kennzeichens und ließ das Foto sicherheitshalber der Polizei zukommen“, berichtet Handge, „doch leider interessierte sich offenbar kein Beamter für meinen ’Schnappschuss’.“

Guter Preis?

Schlimmeres musste Angelika S. aus Helfe erleben, die vor den Sommerferien ebenfalls Besuch von einer Drückerkolonne bekam. Sie hatte sich darauf eingelassen, ihre stark durch den Frost ramponierte Garageneinfahrt von den Briten reparieren zu lassen. 25 Euro pro Quadratmeter schien ihr ein guter Preis zu sein. Eine schwerwiegende Fehlentscheidung, denn in Sekundenschnelle hatte sie einen Haufen Gauner am Hals, die sie so schnell nicht mehr loswurde.

Nachdem sie bei einem gut gekleideten, Deutsch sprechenden Herrn sechs Quadratmeter in Auftrag gegeben hatte, sprangen auf einmal überfallartig aus drei Autos mehrere Arbeiter, die sofort mit der Spitzhacke zu Werke gingen. „Aus einen Kleinbus stiegen sogar mehrere Kinder, die kaum der Pubertät entronnen schienen“, erinnert sich Angelika S., die es nun langsam mit der Angst zu tun bekam. „Im Nu stand alles kopf und ich hatte die Lage nicht mehr unter Kontrolle. Die Arbeiter hackten alles kaputt und taten so, als würden sie kein Deutsch verstehen“, berichtet Angelika S., die sich ungern an den schrecklichen Vorfall erinnert. „Ich schrie immer nur ’Stop, hören Sie endlich auf’, aber es reagierte keiner auf meine Anweisung.“

Böse geworden

Als die Männer dann mitbekamen, dass ich mit der Polizei telefonierte, wurden sie richtig böse. Inzwischen waren mein Bruder und etwas später auch mein Mann gekommen. Jetzt verlangten die Briten plötzlich 1900 Euro für eine recht schlechte Arbeit. „Inzwischen war auch die Polizei gekommen, denn die Familie fühlte sich massiv von der Horde bedroht und unter Druck gesetzt.

„Ich habe einem Arbeiter dann statt der vereinbarten 300 Euro nur 200 Euro gegeben und eine Quittung verlangt, doch der junge Mann war des Schreibens nicht mächtig“, erinnert sich die Helferin, die nun Mitleid mit den recht jungen Arbeitern verspürte. „Irgendwie wirkten die Jungen völlig verstört.“

In Windeseile

Zwei der Briten nimmt die Polizei mit aufs Revier und überprüft die Personalien. Die anderen Drücker machen sich in drei Autos und mit einem Rest Teer, den sie gern noch verkleistert hätten, schnell aus dem Staub. „Wie von einem Unsichtbaren geleitet, räumen sie im richtigen Augenblick in Windeseile das Feld“, erklärt Angelika S. das unheimlich anmutende Verhalten der Drückerkolonne, das ihr heute noch Angst einjagt.

„Wie mir die Polizei später berichtete, musste sie die Männer wieder laufen lassen, da der Staatsanwalt keinen Handlungsbedarf sah“, erzählt die Helferin. „Schade eigentlich, denn die Hälfte der Männer würde ich sofort wiedererkennen, so sehr haben sich ihre Gesichter in den schrecklichen Minuten bei mir eingebrannt. Jetzt treiben sie sicherlich anderswo ihr Unwesen…“

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