Andrea Schneider
30. März 2017 | Titelseite

Was hat Südwestfalen mit Silicon Valley zu tun? - IHK-Doppelspitze: Die ersten 100 Tage

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Die neue Doppelspitze der SIHK ist seit 100 Tagen im Amt: Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat (l.) und Präsident Ralf Stoffels. (Foto: A. Schneider)

Die neue Doppelspitze der SIHK ist seit 100 Tagen im Amt: Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat (l.) und Präsident Ralf Stoffels. (Foto: A. Schneider)

Hagen. (as) Er ist neu in Hagen. Und er ist schwer beeindruckt. Vom „charmanten Understatement“. „Da begegnet man einem Menschen völlig ohne Allüren. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass dieser Mensch 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, einen Familienbetrieb in der siebten Generation leitet und dass der Betrieb noch dazu Weltmarktführer ist“, sagt Dr. Ralf Geruschkat.
Es sind Momente wie dieser, die den neuen Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) demütig werden lassen. Die ihm deutlich machen, in welcher Region der ehemalige Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main nun aktiv ist. „Wir sind die stärkste Industrieregion Nordrhein-Westfalens, die drittstärkste Industrieregion Deutschlands“, fasst Ralf Stoffels, Präsident der SIHK, zusammen.
Es gibt viele Weltmarktführer, die Wirtschaft brummt. Damit dies so bleibt, wollen Dr. Ralf Geruschkat und Ralf Stoffels die Unternehmen konstruktiv begleiten. Nicht mit blindem Aktionismus, sondern indem sie zuhören.
Genau das haben der neue Präsident und der neue Hauptgeschäftsführer in den ersten 100 Tagen als „Doppelspitze“ der SIHK getan. Sie sind durch Hagen, den Märkischen und den Ennepe-Ruhr-Kreis gereist und haben Gespräche geführt. Das Ergebnis: Sie haben die Arbeitsschwerpunkte für die nächste Zukunft festgezurrt. „Wir müssen unser Profil schärfen“, sagt Dr. Ralf Geruschkat. „Wir wollen anpacken und eine Aufbruchstimmung erzielen.“ In Sachen Ausbildung beispielsweise. Außerdem berät die Kammer Unternehmen – vom Existenzgründer bis zum „Hidden Champion“, dem versteckten Weltmarktführer.
Lust machen auf Facharbeiter-Ausbildung
Und: „Wir bündeln Interessen“, sagt Ralf Stoffels. Das gilt beispielsweise für die leider nicht erfolgreiche Regionale-Bewerbung von Hagen und dem EN-Kreis. „Da gibt es einen Fingerzeig aus Düsseldorf“, sagt Ralf Stoffels. „Das Land war beeindruckt von den Plänen, die Industrie- und Brachflächen entlang der B7 zu entwickeln.“
Hier möchte die SIHK weiter aktiv bleiben: „Wir wollen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern konstruktiv arbeiten“, sagt Ralf Stoffels.
Was hat die südwestfälische Region mit dem Silicon Valley zu tun? Die beiden Herren der SIHK-Doppelspitze schmunzeln: „Dort stecken Geld und Ideen, hier die Ingenieure.“ Vieles, was unter der kalifornischen Sonne er­dacht wurde, wird in Hagen, im EN-Kreis oder im Märkischen Kreis produziert.
Die neue SIHK-Doppelspitze möchte dafür sorgen, dass es so bleiben kann. Doch dafür sei es nötig, den Fachkräftenachwuchs zu fördern.
„Wir brauchen gewerblich-­technische Angestellte“, sagt Ralf Stoffels. Gesucht werden Auszubildende. Deshalb fördert die SIHK Projekte, die schon in Kindergärten und Schulen Lust auf sogenannte MINT-Berufe machen. Das gilt auch und besonders für Mädchen.
Die Betriebe wissen, dass sie sich fit machen müssen, den neuen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Das heißt: Arbeitsplätze sollten vereinbar sein mit Familie und auch Pflege. Außerdem möchten die Betriebe, ebenso wie die SIHK, Fachkräfte, die vielleicht in anderen Teilen Deutschlands gearbeitet haben, eine Rückkehr in die Region schmackhaft machen. „Was zählt, ist Bildung, Bildung, Bildung“, sagt Stoffels. Bildungsvermittlung sei eine der Stärken der SIHK.
Wachsende Wirtschaft braucht Flächen
Als Knackpunkt in der Region hat die neue SIHK-Doppelspitze den Mangel an Gewerbeflächen ausgemacht. „In Hagen und EN sind sie so gut wie aufgebraucht“, sagt Ralf Stoffels. Im Märkischen Kreis gibt es noch einige, wenige Flächen, doch spätestens in vier Jahren ist hier auch Schluss. „Eine wachsende Wirtschaft braucht Flächen“, sagt der SIHK-Präsident. „Wir können als SIHK Lösungen mitentwickeln, die dem knappen Gut Fläche gerecht werden.“
Nächstes Stichwort: Digitalisierung. „Wir brauchen Breitband – jetzt“, sagt Dr. Ralf Geruschkat. „Jede Sekunde zählt.“ Und das gelte nicht nur für die großen Unternehmen. „Die Kunden sitzen nur einen Klick entfernt“, sagt der Hauptgeschäftsführer. Sie sind nicht in der Nachbarschaft, sondern irgendwo auf dem Globus.
Die Digitalisierung sei eng mit dem Interesse von Fachkräften verknüpft. Breitband ist längst ein Standortfaktor geworden.
„Eine starke Industrie braucht Energie“, sagt Ralf Stoffels. Das Problem in der Region: „Die Energiepreise sind hier doppelt so hoch wie im Rest Europas.“ Deshalb mischt sich die SIHK ein, wenn es um Verhandlungen geht, die Lasten der Energiekosten gerecht zu verteilen.
Von der App bis Instagram
Die neue Doppelspitze der SIHK hat nach den ersten 100 Tagen ihren Weg in Angriff genommen. Sie wollen Partner von Handel und Industrie sein – mit Top-Bildungs- und Top-Beratungsangeboten. Als Interessenvertreter der heimischen Wirtschaft. Dafür hat auch die SIHK ihr digitales Profil geschärft. Sie ist im Internet zu finden, hat ihre eigene App, hier wird getwittert, geliked und auf Instagram-Beiträgen geworben.
All das geschieht gar nicht versteckt. Denn Ralf Stoffels und Dr. Ralf Geruschkat möchten, dass die Welt von all den Hidden Champions im südwestfälischen Raum erfährt. Das macht neugierig, lockt Auszubildende und Facharbeiter – und führt die Region in eine erfolgreiche Zukunft.



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