Beherrschbare Technik?

    Na, jetzt hat auch unsere Bundesregierung mal sowas wie Schweinegrippe, Rinderwahn oder Vogelschnupfen! Eine Saisonplage, die wohl mehr in der Theorie als in der Praxis eine Rolle spielt und gegen die doch uuunbedingt etwas getan werden muss. Denn nach den japanischen Reaktorkatastrophen hat sich hierzulande so gut wie gar nichts geändert an den Rahmenbedingungen für den heimischen AKW-Betrieb. Nur eins: Die Leute haben mehr Angst, weil sie plötzlich sehen, dass der Mensch da mit gigantischen, zerstörerischen Kräften hantiert, die er letztlich ebenso wenig beherrschen kann wie die Natur mit Erdbeben, Tsunamis, Stürmen und Kometen. Und Japan führt uns drastisch vor Augen, wohin das führen kann.

    Ausgerechnet Japan, wo die Bevölkerung doch dort so fleißig, intelligent und human ist. Nicht dieses kernböse, skrupellose und technisch sowieso hoffnungslos unterbelichtete Kommunistenpack, dem Tschernobyl anno 1986 ja fast zwangsläufig um die Ohren fliegen musste. Nein, oh Wunder, die Kernkraft-Technologie ist von der Krone der Schöpfung, dem Menschen, erstaunlicherweise nicht über hunderttausende von Jahren absolut sicher zu kontrollieren. Wer hätte das gedacht?

    Aber Gottseidank haben wir ja eine weitsichtige Regierung, die weiß, was zu tun ist. Einfach mal drei Monate die Füße still halten und drüber nachdenken, ob wir die Verlängerung der Laufzeiten bundesdeutscher AKW’s nicht doch besser sein lassen. Drei Monate nachdenken, bis wir’s vergessen haben. Wie Schweinegrippe und Rinderwahn. Und dann ist alles wieder gut, gell?

    Ach ja, die liebe Technik. QuENgelbert weiß seit einigen Tagen, dass selbst sein putzig kleiner Chevrolet plötzlich von Kräften übernommen wird, deren Präsenz dem QuENgler bis dato völlig unbekannt waren. Am Samstag wollte er den Flitzer starten, doch der stotterte wie ein beim Seitensprung erwischter Ehemann. Einige hundert Meter versuchte es QuENgelbert, doch die gelbe Störungslampe verbot eine Weiterfahrt. Eine kurze Überprüfung des Motorraums ergab keinen Befund, kein Marder, der an den Kabeln gefressen hätte, keine sonstigen Probleme. QuENgelbert versuchte es also noch einmal, und siehe da, schon schnurrte der Chevy, als wäre nie etwas gewesen. Und die Störungslampe ging auch wieder aus.

    QuENgelbert fuhr dennoch in die Werkstatt, und Kfz-Meister Carsten Dietrich erklärte nach einer Computerprüfung Erstaunliches. Vermutlich sei die Bordelektronik von Funkwellen gestört worden. Der Compi spuckte jedenfalls abenteuerliche Werte für den Chevrolet aus: Guinessbuch-verdächtige 858.726 Kilometer hatte das Fahrzeug in seinem knapp vierjährigen Leben danach schon zurückgelegt, seine drei Zylinder sorgten für stolze 54.090 Umdrehungen pro Minute, und die Temperatur der angesaugten Luft betrug minus 41 Grad. So schattig war es QuENgelbert gar nicht vorgekommen am Samstag…

    Man müsse den Fehler nur aus dem Computer nehmen, Reparaturen seien nicht nötig, schmunzelte Carsten Dietrich und heftete das Prüfungsblatt in seinen Kuriositätenordner ab. Tja, und am Montag wiederholte sich für QuENgelbert genau das gleiche Spiel. Muss er nun jeden zweiten Tag in die Werkstatt, um die Werte wieder auf realistische Dimensionen stellen zu lassen? Nur weil irgendein Computerfreak in der Nachbarschaft sich ein neues Spielzeug zugelegt hat? Wir warten es ab.

    Man mag an diesem kleinen Beispiel sehen, welche Unwägbarkeiten und Tücken oft im technischen Detail stecken. Das gilt übrigens für 1986 genauso wie für heute und für in drei Monaten…