Das Leben – bunt und kompliziert…

Na, das war doch ein hochinteressantes Fernsehabenteuer da im australischen Dschungel, und fast hat man den Eindruck, als sei der Mensch doch noch erheblich fieser als die ekligste Kakerlake. Was haben sie sich gegenseitig gepiesakt, die Semi-, Pseudo- und C-Prominenten, und wir Fernsehzuschauer konnten herrlich Sozialstudien betreiben – an den Campbewohnern und an uns selbst. Auch nervende Model-Blondchen sagen mitunter die Wahrheit, und aus einem sympathischen Palmen-Pärchen wird zuweilen ganz schnell eine mediale Mafia-Connection. Wer hätte das gedacht?

Sie sind an ihre Grenzen gegangen, die RTL-Dschungelcampinsassen – Grenzen verschieben möchte hingegen die Politik. Es geht um die Präimplantationsdiagnostik, kurz PiD, mit der beim im Reagenzglas erzeugten Embryo bestimmte Erbkrankheiten und Besonderheiten der Chromosomen erkannt werden können, bevor der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Zweck der Untersuchung ist, eine Entscheidungshilfe zu geben, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird oder nicht.

„Wir stellen die Lebensfähigkeit des Embryos in den Mittelpunkt, in dem wir uns an Paaren orientieren, die eine genetischen Veranlagung dafür haben, dass eine Schwangerschaft mit einer Früh- oder Totgeburt endet“, unterstreichen die Abgeordneten René Röspel (SPD), Petra Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) und Patrick Meinhardt (FDP) bei der Vorstellung ihres interfraktionellen Gruppenantrags ethisches Verantwortungsbewusstsein. Doch wer eine solch sensible Grenze einreißt, der senkt die Hemmschwelle, auch die nächste zu überwinden, bis der Mensch eines Tages als Herr über Leben und Tod die Reagenzgläser in Frankensteins Horrorlabor schwingt. Dass es mittlerweile auch in der vermeintlich christlichen Partei starke Strömungen gibt, die PiD in gewissen Fällen zuzulassen, stimmt nachdenklich.

Vielleicht aber wird uns ja sogar bald vorgeschrieben, welches Geschlecht unsere Kinder gefälligst haben müssen. Die gerade angestoßene Diskussion um eine gesetzlich verordnete Frauenquote in den Vorstandsetagen deutscher Wirtschaftsbetriebe lässt jedenfalls nichts Gutes ahnen…

Keine Sorge hätte die Stadt Gevelsberg vor ihrer Geburt haben müssen, frühzeitig als nicht lebenswert aussortiert zu werden, wenn Kaiser Wilhelm I. als König von Preußen vor 125 Jahren eine PiD für Städte zur Verfügung gehabt hätte. Der olle Willem verlieh Gevelsberg am 1. Februar 1886 die Stadtrechte, und so feierte die Engelbertstadt gestern Abend mit einem großen Festakt den stolzen Geburtstag. Den gelungenen Umbau der Hauptschlagader Mittelstraße hat man gerade hinter sich; nun entsteht mit dem Ennepebogen ein neuer, naturnaher Stadtmittelpunkt. Und das in Zeiten vielerorts kränkelnder Kommunalfinanzen!

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, vitales Gevelsberg!