„Bello“ ist nicht der einzige Schutz

Präventionsexperte Peter Beckmann und Polizeisprecherin Birte Boenisch
Präventionsexperte Peter Beckmann und Polizeisprecherin Birte Boenisch mit einem optimal gesicherten Fenster. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm/EN-Kreis. (Sche) „Der beste Schutz liegt bei mir unterm Tisch“, eröffnete Landrat Dr. Arnim Brux in seiner Eigenschaft als Polizeichef ein Gespräch über die Entwicklung der Einbruchsdiebstähle und über Vorbeugungsmaßnahmen in der Präventionsstelle an der Hauptstraße, in Schwelm, vor wenigen Tagen: „Aber im Ernst: Das Thema brennt uns unter den Nägeln.“

Bei dem Termin war nämlich auch Vierbeiner „Paul“ anwesend, auf dessen Artgenossen als Verbrechensschutz sich die örtliche Polizei aber nicht allein verlassen will. Sorge bereitet den Ordnungshütern nämlich die zahlenmäßige Entwicklung der Einbruchsstraftaten. Waren die Delikte in den vergangenen Jahren noch auf die dunkle Jahreszeit beschränkt und gingen im Frühjahr merklich zurück, ist diese Entwicklung diesmal nicht so ausgeprägt. „Seit Januar haben wir 300 Einbrüche registriert“, zitierte Kriminaloberrat Helmut Seelig aus der Statistik: „Dabei ist kein besonderer Schwerpunkt unter den acht Städten unseres Zuständigkeitsbereis erkennbar. Witten gehört zum Polizeipräsidium Bochum.“ Als Ausreißer im positiven Sinn könne man Breckerfeld sehen, das leicht unter dem Durchschnitt liege, dafür führe Hattingen mit 60 Taten die Tabelle deutlich an. Allerdings sei hierbei die unterschiedliche Einwohnerzahl dieser beiden Gemeinden zu berücksichtigen.

Landrat Dr. Arnim Brux
Landrat Dr. Arnim Brux zeigt hier, wie schnell man mit dem Schraubendreher ein Fenster aufhebeln kann. Es ist nur eine Demonstration! (Foto: Stefan Scheler)

Den Bürger interessiere aber viel mehr, wann die Täter zuschlagen und aus welchem Milieu sie kommen. „Da haben wir zum einen meist verzweifelt nach Geld suchende Einzeltäter, oft aus der Drogenszene“, berichtete der Leiter der EN-Kriminalpolizei aus seiner Diensterfahrung: „Zum anderen sind überregionale Banden aktiv, die in geradezu professioneller Weise vorgehen.“ Da werden Wohngebiete regelrecht ausgekundschaftet, indem man durch die Quartiere fährt, manchmal sogar Fotos der späteren Tatobjekte macht und deren Sicherheits-Schwachstellen auskundschaftet. Die eigentlichen Taten laufen dann in erschreckender Geschwindigkeit ab, und die Täter ziehen sich sofort aus dem Umfeld zurück.

Hier könne die Prävention ansetzen, appellierte der Kriminalist an alle Wohnungsbesitzer und Nachbarn. Neben einer Grundsicherung des eigenen Bereichs gehöre auch die aktive Nachbarschaftshilfe zu den Hindernissen, die Kriminelle nicht so gernhaben.

„Scheuen Sie sich nicht, die 110 zu wählen, dazu ist diese Nummer auch da“, zerstreute Helmut Seelig Bedenken, den Notruf bei verdächtigen Beobachtungen zu wählen: „Wenn sie in der Gegend Fahrzeuge oder Personen bemerken, die dort offensichtlich nicht hingehören, scheuen Sie sich nicht, die Polizei zu rufen.“ Damit werde man nicht zum Denunzianten, und die Leitstelle könne am effektivsten das Einsatzmittel, meistens einen Streifenwagen, an den Ort des Geschehens schicken.

„Der engagierte Nachbar ist ein abschreckendes Mittel gegen Langfinger“, betonte auch Dr. Arnim Brux: „Daneben ist auch die technische Prävention, also das Sichern des Gebäudes mit Riegeln, Schlössern und anderen Mitteln ein wichtiger Baustein der Verbrechensverhinderung.“ 40 Prozent der Einbruchstaten blieben im Versuch stecken, wenn der Täter länger als erhofft zum Öffnen von Türen oder Fenstern brauche.

„Ziel ist es, die so genannte ,Angriffszeit‘ von dreißig Sekunden auf drei Minuten zu erhöhen“, referierte Kriminalhauptkommissar Peter Beckmann, Fachberater für technische Kriminalprävention: „Gelegenheitstäter werden dann sowieso nervös und geben auf; Profis dagegen sehen kein gutes Verhältnis mehr zwischen Aufwand und ,Ertrag‘, so dass auch diese Tätergruppe von dem Versuch ablässt.“

Deshalb sei es wichtig, dass die Bürger sich über die technischen Möglichkeiten der Heimsicherung eingehend informieren. Das ist kostenlos – am besten bei einem Gespräch vor Ort am Wohnsitz -, damit sich der Fachmann ein Bild von den Gegebenheiten machen kann. Interessierte können über Ruf 02336/ 91662952 mit Peter Beckmann Kontakt aufnehmen. „Der Aufwand für die Nachrüstung ist gar nicht so groß“, beruhigt der Kriminalpolizist: „Ab 200 Euro kann man ein normales Fenster wirkungsvoll nachrüsten. Ein geglückter Einbruch kommt meist wesentlich teurer.“