Die Igel mögen es gern kuschelig

Die Tierschützerinnen Karen Alwardt, Ronja Meyer und Marlies Beisert-Schneider (von links) vor einem Teil des reichen Basar-Angebots. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) Unterm Dachstuhl des städtischen Hauses an der Gartenstraße in Gevelsberg herrscht hektisches Geflatter. Beim Eintreten sind die Tauben unruhig geworden, kehren aber bald wieder zur gewohnten Gelassenheit zurück. Entspanntes Gurren ist zu hören, und eine einsame weiße Daunenfeder schwebt noch durch den Raum.

Um die 36 Tauben haben hier Unterschlupf gefunden. „Das ist ein Asyl für Stadttauben“, erklärte Marlies Beisert-Schneider, Vorsitzende des Tierschutzvereins Gevelsberg, bei dem vor wenigen Tagen in dessen Räumlichkeiten an der Gartenstraße ausgerichteten Trödelbasar, dessen Erlös den zahlreichen Aktivitäten der ehrenamtlichen Tierschützer zugute kommt: „Wir wollen damit verhindern, dass die Vögel irgendwo wild nisten und die Bürger belästigen. Hier ist das Einflugs-Fenster immer offen, und die Tauben nehmen das Quartier gut an.“

Als Schlaf- und Wohnstätte der gefiederten Gesellen dienen Regale mit abgetrennten Boxen. In einigen stehen flache, mit Stroh ausgekleidete Tonschüsseln, in welchen die Tiere brüten können. „Meist sind die Eier Attrappen“, gibt Marlies Beisert-Schneider zu: „Wir wollen ja keine Tauben züchten, sondern die von ihnen verursachte Innenstadtbelastung ein Stück weit abbauen. Die echten Eier nehmen wir den Tieren weg.“ Das geht aber nicht immer, denn dann akzeptieren die recht schlauen Vögel das Asyl nicht mehr. „Also müssen wir hin und wieder eine Brut zulassen“, weist die Vereinsvorsitzende auf kleine ockergelbe Federknäuel in den Brutschüsseln hin. Aggressiv und konsequent verteidigt eine Taubendame den Nachwuchs, als die Tierschützerin ein Küken präsentieren will. Man sieht die Jungen aber auch so, denn wie fast alle Tierkinder sind sie äußerst neugierig und lugen unerschrocken unter dem Federkleid der Mutter hervor.

Hunde gehören einfach zum Tierschutzverein: Karen Alwardt stellt ihre Lieblinge (von links) „Anuschka“, „Pelle“ und „Scully“ vor. (Foto: Stefan Scheler)

Die rund 100 Mitglieder des Tierschutzvereins Gevelsberg kümmern sich auch um viele andere Tierarten, stoßen dabei aber manchmal an ihre Grenzen. „Bei Schlangen und Fledermäusen zum Beispiel müssen wir passen“, gibt die Vorsitzende zu: „Da schalten wir dann Sachverständige ein, die sich um aufgefundene Exoten kümmern.“

Zur Haltung von Waran, Krokodil und Co. hat die engagierte Tierfreundin sowieso eine ganz eindeutige Meinung. „Solche Tiere gehören nicht in eine heimische Wohnung“, ist sie ganz kompromisslos: „Egal, wie gut man sie zu behandeln glaubt, man kann den Umwelterfordernissen dieser Wesen hier nicht gerecht werden.“ Trotzdem müsse man entwichenen Exemplaren so gut wie möglich helfen. Schlangen, zum Beispiel Ringel- und Kornnattern, gebe es außerdem in Deutschland in freier Wildbahn, wo sie manchmal hilflos angetroffen würden.

Ein besonderes Thema sind die vermehrt im Herbst aufgefundenen Igel. „Die sollte man nicht so einfach mit nach Hause nehmen“, warnt Marlies Beisert-Schneider: „Für den Menschen kann das wegen des Floh- und Wurmbefalls sehr unangenehm werden, und die äußerst scheuen Wildtiere sind in Gefangenschaft starkem Stress ausgesetzt.“ Man solle einen Experten konsultieren und die stacheligen Gesellen mit einer kuscheligen Wohnhöhle sowie Katzenfutter und gekochtem Ei versorgen. Wichtig und gesetzlich geboten ist das Zurücksetzen in die Freiheit nach der Kälteperiode.

Mit dem reichhaltigen Basar, bei dem es neben allerlei täglichen Gebrauchsartikeln auch Haustierbedarf in Fülle gab, erwirtschaftet sich der Verein einen Teil der Mittel, auf welche er in finanziell knappen Zeiten dringend angewiesen ist.

Wer für den Tierschutzverein spenden oder bei seinen Aktivitäten mitmachen möchte, kann unter Ruf 02332/ 666150 mit den Mitgliedern Kontakt aufnehmen.