Ein Platz zum Verweilen: Planungen für die Zukunft von Haus Ennepetal

[1/3] Was in den 70er Jahren als modern galt

[1/3] Was in den 70er Jahren als modern galt, ist heute doch sehr in die Jahre gekommen. Das bunkerartige Gebäude soll in Zukunft abgerissen werden. Die Stadt Ennepetal und die Gesellschaft Kluterthöhle und Freizeit haben sich nun auf ein Konzept für ein

Ennepetal. (saz) Das Haus Ennepetal ist nicht nur aus architektonischer Sicht in die Jahre gekommen. Auch wichtige Sanierungen wurden in den vergangenen Jahren aufgrund fehlender Gelder immer wieder verschoben, sodass das Veranstaltungszentrum mit städtischen Mietern im Mehrgenerationenhaus mittlerweile sehr marode ist und eigentlich, wenn es so weiterbestehen sollte, kernsaniert werden müsste.

Die Diskussionen um das Haus Ennepetal laufen bereits seit vielen Jahren. Zu einem wirklichen Schluss ist man aber nie gekommen, und so zerfiel das Gebäude, das 1978 eingeweiht wurde, mehr und mehr. Auch Mieter hielten sich zuletzt nicht mehr. Die Gastronomie hatte das Haus schon vor längerer Zeit verlassen. Zuletzt hatte das Leo-Theater verkündet, seine alte Spielstätte zu verlassen und ins Ibach-Haus nach Schwelm zu ziehen. Mittlerweile sind also auch die Räumlichkeiten des Theaters verwaist.
Machbarkeitsstudie
Im Zuge des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK, vorher Integriertes Handlungskonzept) war 2016 eine Machbarkeitsstudie zum Haus Ennepetal in Auftrag gegeben worden. Dabei sollten der Ist-Zustand und Sanierungsbedarf analysiert werden, alternative Szenarien untersucht und bewertet sowie eine Grobkostenschätzung und ein Grobrahmenterminplan erstellt werden.
Drei Varianten, wie mit dem Haus Ennepetal verfahren werden könnte, waren das Ergebnis der Studie:

  • Variante 1: Kernsanierung am Bestandsgebäude (21 Millionen Euro plus Auslagerungskosten)
  • Variante 2a: Neubau in zwei getrennten Baukörpern auf dem Bestandsgrundstück (26 Millionen Euro plus Auslagerungskosten)
  • Variante 2b: Neubau in zwei getrennten Baukörpern auf separaten Grundstücken (26,5 Millionen Euro, reduzierte Auslagerungskosten)

Sowohl von städtischer als auch von Gesellschafter-Seite aus wurde der letzte Vorschlag einstimmig angenommen. Die Gesellschaft Kluterthöhle und Freizeit stellte jetzt gemeinsam mit der Stadt Ennepetal das Konzept vor.
Mehrgenerationenhaus
In dieser Variante unter dem Arbeitstitel „Ein Ort zum Verweilen“ wird das Bestandsgrundstück, welches der Kluterthöhle und Freizeit gehört, zur Voerder Straße hin um städtisches Bauland erweitert. Dort soll das Mehrgenerationenhaus mit den städtischen Mietern der Bibliothek und Kindertagesstätte eine neue Heimat finden. Der Beginn des Bauprojekts ist für den 15. Januar 2018 geplant. Gebaut werden soll ab 2019, die Inbetriebnahme ist für den 20. Januar 2021 geplant.
Während dieser Zeit bleibt das noch bestehende Haus Ennepetal weiter in Betrieb, sodass keine alternativen Unterbringungen gesucht werden müssen. Wenn das neue MGH fertiggestellt ist, können die städtischen Mieter komplett umziehen.
Das bedeutet auch eine finanzielle Entlastung für die Kluterthöhle und Freizeit. Denn das Bauprojekt MGH wird von der Stadt bezahlt. Das bedeutet sozusagen, dass der städtische Mieter aus dem Haus Ennepetal auszieht und woanders baut. Durch die bestehenden Verhältnisse ist hier zwar keine große Eile geboten, dennoch ist ein schneller Ablauf von allen Seiten gewünscht.
Veranstaltungszentrum
Nach Fertigstellung und Inbetriebnahme des MGH ist dann die Gesellschaft Kluterthöhle und Freizeit dran. Auf dem Bestandsgrundstück soll bis 2023 nach Abriss des bestehenden Gebäudes ein neues Veranstaltungszentrum entstehen. Allerdings wohl in wesentlicher kleinerer Form als im jetzigen Haus Ennepetal. „Wir fangen jetzt an, uns ein genaues Konzept zu überlegen“, erklärt Kluterthöhle-und-Freizeit-Geschäftsführer Florian Englert. „Wir wollen auf jeden Fall ein Veranstaltungszentrum in Ennepetal. Die Frage ist nur, wie viele Räume wir brauchen und wie groß ein Mehrzwecksaal sein muss.“ Man werde sich nun auch in der näheren Region umschauen, um zu sehen, was es dort gibt und was für Ennepetal vor diesem Hintergrund sinnvoll ist. „Wir wollen kein Luftschloss bauen, das nicht gebraucht wird“, betont Englert.
Offenes Design
Die neuen Gebäudeteile werden verbunden durch den Ennepe-Garten, der zum Verweilen einladen soll. So bleibt das Gelände ein Ort der Begegnung. Und auch die Ennepe, immerhin Namensgeberin der Stadt, soll in Zukunft attraktiv in das Gelände integriert ­werden.
Abschied genommen wird auch von dem „70er-Jahre-Bunker“, der doch an vielen Stellen äußerst verwinkelt und schwer zugänglich ist. Er wird einer moderneren Bauart im offenen Design weichen. „Das Haus Ennepetal ist das erste, was man von der Straße aus sieht. Es muss also einladend sein“, sagt Bürgermeisterin Imke Heymann. „Die Leute müssen es besuchen wollen. Dann haben wir sie auch direkt fast in der Innenstadt.“
Die dunkle Tiefgarage wird ebenfalls bald der Vergangenheit angehören. Parkplätze werden außerhalb des Gebäudes angesiedelt. Wie viele gebraucht werden, soll bis dahin noch ermittelt werden.
Vorteile
Die Beteiligten sehen in diesem Konzept viele Vorteile. Durch die Trennung der beiden Institutionen auf zwei unterschiedliche Gebäude kann individuell auf die jeweiligen Zielgruppen eingegangen werden. Trotzdem wird durch die Verbindung der beiden Komplexe durch den Ennepe-Garten der Grundgedanke der örtlichen Zusammengehörigkeit beibehalten. Auch sei nun zu Beginn der genauen Planungsphase eine zielgruppenorientierte, bedarfsgerechte und praktikable Neukonzeption möglich.
Außerdem wird die finanzielle Belastung über mehrere Jahre verteilt und in der Zeit auch die Beeinträchtigung für die aktuellen Nutzer so gering wie möglich gehalten.
Nicht zuletzt verspricht man sich von der Neugestaltung einen Gewinn für die Attraktivität der Klutertstadt. Die Innenstadt werde aufgewertet und die Kluterthöhle als Alleinstellungsmerkmal Ennepetals neu in Szene gesetzt.
Sportlicher Zeitplan
Fünf Jahre für das gesamte Projekt sind ein sportlicher Zeitplan, dessen sind sich alle Beteiligten bewusst. Doch man wolle das Vorhaben so schnell wie möglich über die Bühne bringen. Bis dahin werden nur noch die notwendigsten Investitionen in das bestehende Haus Ennepetal gesteckt. Dabei steht natürlich der Sicherheits-Aspekt an oberste Stelle der Prioritätenliste.