„Eine Bücherei sollte ein Ort für alle sein“ – Integrationsarbeit in Gevelsberg

Gevelsberg. (je) „Wenn ich daran denke, bekomme ich sofort
eine Gänsehaut“, ist Regina Block vom Verein „Mentor“ sichtlich gerührt, wenn
sie von der Geschichte ihres „ersten Flüchtlings“ erzählt.
Der junge Mann aus dem Nord­osten Afrikas stand im vergangenen Jahr ohne
deutsche Sprachkenntnisse in der Gevelsberger Stadtbücherei – und ist heute
vollkommen selbstständig, hat eine eigene Wohnung, Arbeit.
Wertvolle Unterstützung
Derart schnelle und gute Erfolge sind in Gevelsberg keine Seltenheit, denn in
der Bücherei wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein „Mentor – Die
Leselernhelfer“ ein starkes Netzwerk etabliert, um geflüchteten Menschen
möglichst schnell effektiv bei der Integration zu helfen. Die ­beste
Möglichkeit dazu ist es, die deutsche Sprache zu lernen.
Für die Arbeit stehen dazu in Gevelsberg mittlerweile beispielsweise
Bild-Wörterbücher in vielen noch so ausgefallenen Dialekten zur Verfügung.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, über einfache Laptops mit dem Betriebssystem
„Chrome“ online Sprachkurse zu belegen.
Die Anschaffung vieler Bücher und anderer Lernmittel, aber auch kleinere
Ausflüge zum hautnahen Kennenlernen deutscher Geschichte und Kultur, wurden
durch eine Förderung des NRW-Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales
ermöglicht, die über das Kommunale Integrationszentrum des Kreises an den Verein
„Mentor“ ging.
Der Zugang ins Internet inklusive der zugehörigen gerät wurde durch die
Unterstützung des Vereins „Freifunk“ ermöglicht.
Keine Probleme
Die Menschen, die sich ­regelmäßig beim wöchentlich montags
stattfindenden Mentor-­Lesecafé, aber auch selbstständig zu den
Öffnungszeiten der Bücherei zum Lernen und Lesen einfinden, könnten vielfältiger
kaum sein. Nicht nur kommen sie aus vielen verschiedenen Ländern, es sind auch
Familien mit kleinen Kindern, junge Frauen, die zuvor niemals die Chance gehabt
hätten, Lesen und Schreiben zu lernen – aber auch sehr viele junge,
alleinstehende Männer.
Und mit denen gibt es, ganz anders als es in populistischen Klischees
behauptet wird, in Gevelsberg keine Probleme. Ganz im Gegenteil, so Regina
Block: „Das sind sehr liebenswerte, warmherzige Leute. Die wollen lernen und
arbeiten, um niemandem zur Last zu fallen.“ Eine Ansicht, die auch Klaus R.
Wortmann, Vorsitzender von „Mentor“, teilt: „Es ist ein Jammer zu sehen, wenn
diese Leute nichts tun können und einfach nur zu Hause sitzen müssen.“
Damit das nicht so bleiben muss, werden in Gevelsberg auch weiter hilfreiche
Bücher und Materialen angeschafft, denn „eine Bücherei sollte immer ein Ort für
alle sein“, wie Leiterin Stephanie Kron betont.