Frauen holen auf – in kleinen Schritten

Hagen/EN-Kreis. In Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich die Beschäftigung im zurückliegenden Jahr trotz boomender Wirtschaft nur leicht erhöht. „Eine aktuelle Analyse des heimischen Arbeitsmarktes zeigt, dass Frauen mehr als Männer davon profitiert haben. Doch fast die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit. Bei den geringfügig Beschäftigten sind es sogar über 60 Prozent“, so die Feststellung von Regine Bleckmann, Beauftragte der Agentur für Arbeit Hagen für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Fast jede zweite Frau in Teilzeit
Immer mehr Frauen gehen im Bezirk der Agentur für Arbeit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Mitte 2016 waren es über 76.200 und damit 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der beschäftigten Männer stieg im selben Zeitraum nur um 0,7 Prozent. Allein in Büroberufen arbeiten fast 13.000
Frauen, gefolgt vom Gesundheitswesen mit über 12.600 sowie Erziehung und Hauswirtschaft mit über 8.400 weiblichen Arbeitnehmerinnen.
Fast jede zweite sozialversicherungspflichtig beschäftige Frau arbeitet in Teilzeit. Dagegen ist es bei den Männern nur jeder zwölfte. „Die Familiensituation beeinflusst den beruflichen Lebenslauf und die Karrierechancen von Frauen. Zumeist sind sie es, die für die Kinderbetreuung oder die Pflege Verwandter verantwortlich sind“, sagt Regine Bleckmann.
Und die Auswirkungen? Neben dem hohen Teilzeitanteil gibt es auch Auffälligkeiten hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades der Arbeitsplätze. Das Tätigkeitsniveau von Frauen ist im Durchschnitt niedriger als das der Männer. Höherqualifizierte Tätigkeiten werden deutlich seltener von Frauen ausgeübt.
Insgesamt liegt die Beschäftigungsquote von Frauen noch immer um nahezu zehn Prozentpunkte unter der der Männer. Weitere Auffälligkeiten: Beinahe jede fünfte arbeitslose Frau in Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis ist alleinerziehend. Knapp die Hälfte aller Arbeitslosen, die Tätigkeiten für An- und Ungelernte anstreben, ist weiblich. Hier besteht großer Qualifizierungsbedarf, damit diese Frauen eine nachhaltige Perspektive auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt erhalten.
Gerade Personen mit Familienpflichten, die viele Jahre nicht beruflich tätig waren, haben gute Möglichkeiten, ihre Arbeitsmarktchancen durch eine Qualifizierung entscheidend zu verbessern. „Qualifikation ist der Schlüssel für den Zugang zur Arbeit und ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. Es lohnt sich für alle, Zeit in die eigene Weiterbildung zu investieren“, sagt Marcus Weichert, Chef der Agentur für Arbeit Hagen.
Doch nur auf berufliche Weiterbildung zu setzen, ohne zugleich die Rahmenbedingungen zu verbessern, wäre zu kurz gedacht. Wer keine guten Kinderbetreuungsmöglichkeiten während und nach einer Weiterbildung vorfindet, dessen Bemühungen sind häufig zum Scheitern verurteilt.
Beratung für Wiedereinsteiger
Das gilt auch für Menschen, die Angehörige pflegen. Die Agentur für Arbeit hat Beratungsangebote, auch für Frauen (und Männer), die den beruflichen Wiedereinstieg nach einer Familien­phase planen.
Die neue Broschüre „Frauen und Männer am Arbeits- und Ausbildungsmarkt 2017“ kann unter Tel. 02331 / 202-237 oder per E-Mail an Hagen.BCA@arbeitsagentur.de angefordert werden.