Gevelsberg: Seniorenwohnungen in Citynähe

Gevelsberg. (Sche) Fast schon akrobatisch dirigiert schwebt eine Zentnerlast an Gasbetonsteinen am Kranseil. Auf dem 2.500 Quadratmeter großen Areal an der Hochstraße herrscht trotz Dauerschneefall zum Frühlingsanfang rege Betriebsamkeit.

Bei der nicht einfachen Platzierung der „Zeitkapsel“ im Mauerwerk assistierte Bürgermeister und Rechtsanwalt Claus Jacobi (links) sein Kollege Wolfgang Hermes. (Foto: Stefan Scheler)

„Das ist jedoch unser Problem in der ganzen winterlichen Bauphase gewesen“, gab Wolfgang Hermes, Kuratoriumsvorsitzender der als Bauherr fungierenden Noss-Haas-Stiftung bei der Grundsteinlegung vor wenigen Tagen zu bedenken: „Schnee, Nässe und Kälte haben die Zeitpläne ein wenig ins Wanken gebracht.“

Stichtag 1. Mai 2014

Nichtsdestotrotz hofft man, im Sommer 2014 mit dem fünf Millionen Euro schweren Projekt fertig zu sein und dann 32 Wohnungen bezugsfertig zu haben. Als Stichtag hierfür haben die Verantwortlichen von Stadtverwaltung, Noss-Haas-Stiftung und den ausführenden Firmen den 1. Mai 2014 ins Auge gefasst. Von den seniorengerechten und barrierefreien Appartements sind bereits während der Herstellung 28 Einheiten vermietet; die Nachfrage ist also groß, liegt die Residenz doch in unmittelbarer Nähe der Innenstadt und hat als Nachbarn das Fliednerhaus im ehemaligen Gevelsberger Krankenhaus. Damit ist eine weitgehende Versorgung der Bewohner gesichert, die im Fliednerhaus-Stadtcafé auch einmal zu einer gesellig genossenen Tasse zusammenkommen können.

Die Noss-Haas-Stiftung geht auf eine Gründung des Ehepaars Adolf und Inge Noss, geborene Haas, zurück. Adolf Noss starb 1997, seine Frau ein Jahr später, und die Ehe ist kinderlos geblieben. Das erhebliche Vermögen, Immobilien und Bargeld, floss deshalb in das Stiftungsvermögen, dessen Zweckbindung in der Altenhilfe und -pflege liegt. Bisher hatte sich die Noss-Haas-Stiftung unter anderem mit Zuwendungen an das Dorf am Hagebölling, die Diakonie und das Hospiz Emmaus hervorgetan. Die Stiftung vertreten als Vorsitzender Rechtsanwalt Wolfgang Hermes, als Wirtschaftsprüfer Franz Johannvordersielhorst und der Schalksmühler Bankkaufmann Manfred Fischer. Inge Noss, geborene Haas, war Mitglied der ein Tiefbauunternehmen betreibenden Familie Haas. Die Firma Haas leistete naheliegender Weise deshalb die Ausschachtungsarbeiten auf dem Baugelände. Um die Sanitäranschlüsse und Heizungsanlagen kümmert sich die ortsansässige Firma Schönebeck.

Zur Grundsteinlegung angetreten sind (von links) Bankkaufmann Manfred Fischer, Wirtschaftsprüfer Franz Johannvordersielhorst, Stiftungsvorsitzender Wolfgang Hermes, Bürgermeister Claus Jacobi und Architekt Wolfgang Frey. (Foto: Stefan Scheler)

6.000 Kubik Erde

Beim Erdaushub kam neben zahlreichen Baumwurzeln auch ein alter Tank zutage, was die Arbeiten nicht leichter gestaltete, wie Architekt Wolfgang Frey in einer kurzen Ansprache zur Grundsteinlegung bemerkte. „Immerhin mussten wir etwa 6.000 Kubikmeter Erdreich bewegen“, führte der Bauexperte aus und veranschaulichte gleich die sperrige Zahl: „Das entspricht dem Volumen von etwa 30 Einfamilienhäusern.“ Jetzt kann man sich auch ein Bild von der Größe des zukünftigen Baus machen, der einen Rauminhalt von 15.000 Kubikmetern haben wird, also das Zweieinhalbfache der Ausschachtung.

„Die Noss-Haas-Stiftung hat trotz eines gesunden wirtschaftlichen Interesses auch den sozialen Zweck der Baumaßnahme nicht aus den Augen verloren und damit den Standort Gevelsberg gestärkt“, lobte Bürgermeister Claus Jacobi in seinem Grußwort: „Wir können unheimlich froh sein, dass wir ein so aktives Stiftungsleben in unserer Stadt haben.“

Dann gingen die Beteiligten zur eigentlichen Grundsteinlegung über, indem sie eine so genannte „Zeitkapsel“ zum Einmauern vorbereiteten. Eine etwa einen Meter lange Kupferröhre mit rund 15 Zentimeter Durchmesser enthielt neben aktuellen Tageszeitungen auch ein Exemplar der Stiftungsurkunde, eine Kopie des Stammbuchs der Familie Noss und ein Foto, welches das Kuratorium der Noss-Haas-Stiftung zeigt. Zwar wollte die Röhre nicht so recht in das enge Mauerwerk; das Stadtoberhaupt half aber mit beherzten Schlägen des Gummihammers nach, so dass die Zeitkapsel außer den amtlichen Dokumenten noch eine markante Delle der Nachwelt hinterlässt.