Gevelsbergs Gesicht wird sich verändern

[1/2] „Die Mauer muss weg!“ - Stadtplaner Hans-Joachim Hamerla (r.) hat schon erste Ideen

[1/2] „Die Mauer muss weg!“ – Stadtplaner Hans-Joachim Hamerla (r.) hat schon erste Ideen, was am Rathausvorplatz geändert werden sollte. (Foto: Heiko Cordes) [2/2] Es geht in die heiße Phase der Umgestaltung der Stadtteile Berge-Knapp und Vogelsang.
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Gevelsberg. (hc) Gevelsberg – genauer gesagt die Innenstadt sowie Berge-Knapp und Vogelsang – werden in den kommenden Jahren ihr Erscheinungsbild ändern. Und während bei Berge-Knapp und Vogelsang die Ziele schon ziemlich konkret sind, steckt die Planung zum Umbau der City noch ein bisschen in den Kinderschuhen.

Hintergrund ist aber bei beiden Projekten der Zeitkorridor. Während die Innenstadt durch das „Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) Gevelsberg Zentrum 2030“ eher langfristig angelegt ist, ist man in den östlichen Stadtteilen bereits ein Schritt weiter. Am vergangenen Montag, 3. Juli, wurde das neue Quartiersmanagement vorgestellt.
Natalie Kirsch und Nicole Lohrmann vm Dortmunder Planungsbüro „Stadtkinder“ werden als zentrale, externe Ansprechpartner in Zukunft zu Verfügung stehen. Dabei geht es den Planern vor allem darum, die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger aufzunehmen, um nicht an deren Wünschen und Bedürfnissen vorbei zu planen.
Konkrete Projekte
„Wir haben schon konkrete Projekte, damit können wir auch nach konkreten Ideen für die Umsetzung fragen“, erklärt Peter Apel, Chef von „Stadtkinder“. Diese sogenannten „Kick-Off-­Projekte“ sind unter anderem die Erneuerung von Breddepark, Spielplatz Berchemallee und Bolzplatz Langenrode.
Besonders der Breddepark, der in der Vergangenheit für Unmut bei den Anwohnern gesorgt hatte, soll nun einen Imagewandel erfahren. Doch dafür ist auch bürgerschaftliches Engagement gefragt, wie Bürgermeister Claus Jacobi und Stadtplaner Apel einstimmig betonen. „Wenn eine Bier­flasche auf dem Weg liegt, dann darf man da nicht einfach vorbeilaufen, sondern sollte sie schon in die Mülltone werfen“, erklärt Apel.
Ideen teilen
Die Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, ihre Ideen an die Stadtplaner weiterzugeben. Dafür kommen Apel und die Quartiersmanager auch auf die jungen und alten Leute zu. „Wir wollen Gesicht zeigen“, erklärt Apel. „Schließlich kann man nicht erwarten, dass die Leute um Punkt 18 Uhr zu einer Bürgerversammlung kommen. Da kommt der ohnehin schon interessierte Teil, aber es sollen Projekte für alle werden. Und gerade Jugendliche sind unverbindlicher. Da kann man nicht einfach einen Termin ausmachen, sondern muss auf sie zugehen.“
Bürger in der Pflicht
Aber auch er betont, dass Vereine und ehrenamtlich Engagierte in der Folge mithelfen müssen, die Anlagen zu pflegen. Es können schließlich nur die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Menschen sollen am Ende des Projekts die Stadt „überflüssig“ machen und als Partner agieren. Und wer bereit ist, sich zu engagieren, der hat die Möglichkeit, einen kleinen finanziellen Zuschuss für sein Projekt zu bekommen.
Beim Bolzplatz Langenrode sind vor allem die Jugendlichen gefragt. Als Hauptnutzer sollen sie ihre Bedürfnisse nennen: „Wir können uns nicht unbedingt in einen Jugendlichen hineinversetzen. Daher müssen diese quasi in die Roller der Planer schlüpfen.“
Dass nun einige Projekte etwas energischer angepackt werden, hat mit einer Fördermaßnahme zu tun, wie Björn Remer, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Gevelsberg erklärt: „Wir haben uns Projekte rausgegriffen und vorgezogen, die schon vorgesehen waren.“ Durch den Fördertopf kann man innerhalb der kommenden beiden Jahre die Projekte ins Ziel bringen.
Start für die City
Anders sieht es, fast schon folgerichtig, in der Innenstadt aus. Hier soll ergebnissoffen in den kommenden Wochen mit Bürgern diskutiert werden, wie Gevelsberg für die Zukunft gestaltet wird.
„Doch wir fangen natürlich nicht bei Null an“, erklärt Claus Jacobi. Ganz konkret im Blick des beauftragten Stadtplaner-Büros mit dem sperrigen Namen „Architektur, Stadtplanung, Stadtentwicklung – ­Hamerla, Gruß-Rinck, Wegmann und Partner“ (kurz ASS) sind zunächst das Rupprecht-Haus (Horten) sowie der Rathausvorplatz und der Vendomer Platz. Weitere Osrte können und sollen aber folgen.
Klare Worte
Planer Hans-Joachim ­Hamerla nimmt zu dem Zustand dieser Orte kein Blatt vor der Mund. Der Vendomer Platz sei ein „Hinterhof“, die Mauer am Rathausvorplatz sollte seiner Meinung nach weg und das Rupprecht-Haus sei eine „vertikale Brache“ oder auch „Schrottimmobilie“. Grund für diese harschen Worte ist, dass die Arbeiten besser öffentlich gefördert werden können – wenn sie nur die richtigen, drastischen Bezeichnungen tragen.
Mit den Planungen soll die erfolgreiche Arbeit der jüngeren Vergangenheit fortgesetzt werden. Die Umgestaltung der Mittelstraße und der neue Ennepebogen sind zwei davon.
Neben Workshops zur Einbeziehung der Bevölkerung sollen für das neue Konzept „IEHK Zentrum 2030“ auch Experten aus verschiedenen Bereichen wie Handel, Politik und Verkehr befragt werden. Hamerla erklärt: „Das Konzept funktioniert wie ein Trichter. Wir haben auf der einen Seite die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger. Dann haben wir die objektivierbaren Fakten und schließlich unsere Erfahrung. Wenn man die drei Sachen zusammenpackt, bekommen wir am Ende ein Konzept.“
Infos im November
Der Zeitplan für das IEHK sieht vor, dass in gut drei Monaten ein Perspektiven-Workshop mit den Experten stattfindet. Im November folgt eine Bürger­informationsveranstaltung. Anschließend muss alles, was überlegt wurde, durch den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung sowie den Rat der Stadt Gevelsberg.
Auf dieser Basis können dann der Grundförderantrag für das mittelfristige Programm von 2019 bis mindestens 2027 und der Antrag zum Städtebauinvestitionsprogramm 2019 für die Umsetzung erster baulicher Maßnahmen gestellt werden.
Eins ist, bei allen noch offenen Punkten, sicher: Das Gesicht Gevelsbergs wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern.