Hilfe für Flüchtlinge in Ennepetal

Ennepetal. (je) Etwa 230 Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten, leben derzeit in Ennepetal. Untergebracht sind sie in Wohnungen und Übergangswohnheimen im gesamten Stadtgebiet, insbesondere an der Heimstraße, der Hagener Straße und in Oberbauer.

Bislang erfolgte die Betreuung der Flüchtlinge seitens der Stadt durch Sevinc Yildirim, doch durch eine ständig wachsende Zahl zu betreunder Personen arbeitete diese zuletzt am äußersten Rande der Leistungsfähigkeit. Deshalb wurde das Team der Flüchtlingsbetreuung am 1. Juni durch Mareike Kraft und am 1. Juli durch Marie Andrée Fallu verstärkt.

„Die Teamverstärkung war dringend notwendig, denn allein in dieser Woche haben wir durch die Bezirksregierung Arnsberg zwölf neue Personen zugewiesen bekommen“, so Hans Georg Heller, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales.

Möbelbau statt Sozialarbeit

Spontanes Reagieren auf eine sich stetig verändernde Gesamtsituation ist eine der wichtigsten Aufgaben der Betreuerinnen. Ein besonderes Anliegen der Stadt Ennepetal ist die menschenwürdige Unterbringung, möglichst dezentral und über das gesamte Stadtgebiet gleichmäßig verteilt. Im Mittelpunkt der Flüchtlingsarbeit steht daher oft die Suche nach neuen Unterkünften.

„Jede Unterbringung ist besser als in einem Container“, betont der städtische Beigeordnete Dieter Kaltenbach. Trotz der in seinen Augen teils irrationalen Forderungen mancher Bundes- und Landespolitiker will er mehr als „nur reines Unterbringen“ leisten. Hans Georg Heller ergänzt: „Im Zweifelsfall teilen sich vorübergehend besser vier Leute ein Zimmer einer normalen Wohnung, als dass sie in einem Zelt leben müssen.“

Dieser Anspruch stellt natürlich auch besondere Anforderungen an die Betreuerinnen. Neben klassischer Sozial- und Integrationsarbeit rücken häufig andere Tätigkeiten wie die Beschaffung von Nahrungsmitteln oder gar der eigenhändige Aufbau von Möbeln in den Mittelpunkt. So ist eine Betrachtung von einzelnen Schicksalen oft nicht möglich. Das stellt auch Marie Andrée Fallu fest: „Wir sind eher Begleiter, für intensive Betreuung fehlt uns leider die Zeit.“

Kanada und Ennepetal

Die gebürtige Kanadierin Fallu schätzt trotzdem die praktische Tätigkeit in Ennepetal. Die studierte Sozialwissenschaftlerin hat auch schon in Mali und Togo gearbeitet. „Vor zehn Jahren bin ich in Deutschland angekommen, ohne große Sprachkenntnisse und ohne Kontakte, deshalb kann ich mich gut in die Situation der Asylbewerber und Flüchtlinge hineinversetzen“, so Fallu. Da sie außerdem bereits in Kanada mit Menschen mit Behinderung gearbeitet hat, ist Fallu in Ennepetal neben 20 Stunden in der Flüchtlingsarbeit auch fünf Stunden pro Woche als Behindertenbeauftragte tätig. Hans Georg Heller ist über diesen Erfahrungsschatz besonders froh: „Im Bereich der Inklusion sind uns die Kanadier ein ganzes Stück voraus.“

Mit Mareike Kraft konnte hingegen eine gebürtige Ennepetalerin, die die Stadt und ihre Befindlichkeiten kennt, für die Flüchtlingsarbeit gewonnen werden. Nach dem Abitur am Reichenbach-Gymnasium hat sie in Bochum Sozialarbeit studiert und letztes Jahr bereits am Xenos-Projekt in Schwelm mitgearbeitet, das versucht, Bleibeberechtigte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Neben ihren 20 Stunden in Ennepetal ist sie auch noch im Wuppertaler „Gleis 1“ in der Drogenhilfe tätig.

Eigene Zuständigkeit

Durch die Verstärkung des Teams erhält jede Betreuerin ihren eigenen Zuständigkeitsbereich. Sevinc Yildirim kümmert sich um die Unterkunft in der Heimstraße, Marie Andrée Fallu ist für die Hagener Straße zuständig und Mareike Kraft wird sich zukünftig um die neue Unterkunft in der bisherigen Albert-Schweitzer-Schule kümmern.

Die beiden neuen Flüchtlingsbetreuerinnen umreißen ihre Tätigkeit pragmatisch: „Im Normalfall wissen wir nicht, was der Tag bringen wird und reagieren unbürokratisch auf die Situation.“

Ehrenamtliche Hilfe

Froh ist man seitens der Stadt über das Engagement aus der Bevölkerung. So gibt es mittlerweile Patenprojekte, in denen sich Ennepetaler aktiv und ehrenamtlich für Flüchtlinge stark machen. Lediglich für die Organisation fehlt den Mitarbeitern der Stadt etwas die Zeit. Heller: „Eine Struktur muss entstehen und entsteht auch.“ So sind Veranstaltungen zum Netzwerkaufbau geplant.

Auch Sachspenden gibt es reichlich. Um diese jedoch gerecht verteilen zu können, denkt man derzeit bei der Stadt über die Einrichtung eines zentralen Spendenlagers nach. Für Kleiderspenden gibt es sehr gute Kooperationen etwa mit dem Kinderschutzbund und dem Roten Kreuz.

Wachsam im Netz

Angst vor fremdenfeindlichen Übergriffen, wie sie in anderen Teilen Deutschland und auch in anderen Städten Nordrhein-Westfalens leider mittlerweile immer öfter vorkommen, hat man in Ennepetal derzeit nicht. „Bei uns herrscht mehr Friede, als die Situation erwarten ließe“, betont Dieter Kaltenbach. Zwar hätten die städtischen Mitarbeiter ständig ein waches Auge auf die sozialen Netzwerke, in denen auch in Ennepetal immer öfter braune Gesinnungen deutlich würden. Kaltenbach: „Dort wird aber vor allem viel gebellt.“ Auf eine veränderte Sicherheitslage könne man schnell reagieren.