Im Notfall die 112: Am 11.2. ist der „Europäische Tag des Notrufs“

EN-Kreis. (Red.) Mit einem europaweiten Notruftag – er fällt immer und sehr passend auf den 11.2. – werben die EU-Staaten seit Jahren für die Rufnummer 112. Die klare Botschaft an die Bürger: Egal wo in Europa sie sich aufhalten, wer die 112 wählt, kann ­sicher sein, dass die zuständigen Organisationen wie Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr schnell alarmiert werden.

Denn die 112 ist nicht nur in Deutschland die Nummer der Notruf-Leitstellen – sie gilt in allen EU-Staaten sowie in der Schweiz, Island und Norwegen sowie in einigen EU-Nachbarstaaten wie Montenegro, Serbien oder der Türkei.
„Wer eine Reise plant, sollte sich vorab kurz vergewissern, wie es um die 112 an seinem Urlaubsort bestellt ist“, rät Markus Goebel, Leiter der Leitstelle im Schwelmer Kreishaus. Für ihn ist der europaweite Notruf 112 ein bürgernahes und lebensrettendes EU-Produkt mit einem echten Mehrwert. „Wenn es den Euronotruf nicht gäbe, müssten die Bürger bei einer Reise durch alle EU-Staaten über 40 Notrufnummern kennen.“
Kostenlos
Wer sich bei einem Anruf der stets – sogar von Prepaid-­Mobiltelefonen ohne Guthaben – kostenfreien Notrufnummer am anderen Ende der Leitung befindet, ist in den Ländern allerdings unterschiedlich geregelt. Dies können die Rettungsdienste, Feuerwehren oder auch die Polizei sein. Für Deutschland gilt: Unter der 112 meldet sich eine Rettungsleitstelle, die die Einsätze von Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt koordiniert.
Koordinierung
Stellt sich bei einem Anruf heraus, dass die Polizei zum Einsatz kommen muss, kann umgehend an die Leitstelle der Polizei weitergeleitet werden. „Zwischen uns und den Einsatzzentralen der Kreispolizeibehörde in Schwelm und des für Witten zuständigen Polizeipräsidiums Bochum gibt es kurze Wege“, erklärt Goebel. Gleichzeitig stellt er klar: Wer im guten Glauben an eine Notsituation die Feuerwehr oder den Rettungsdienst ruft, müsse keine Konsequenzen fürchten. Auch dann nicht, wenn sich herausstelle, dass ein Eingreifen der Retter nicht notwendig war.
„Uns ist es lieber, wenn wir einmal zu viel, als einmal zu wenig alarmiert werden“, betont Goebel. Keinen Spaß versteht er allerdings in den Fällen, in denen der Notruf böswillig missbraucht oder nur aus „Jux und Dollerei“ angerufen wird. Wer dies mache und damit die Notrufleitungen für andere blockiere, riskiere ein Strafverfahren. „Wir können ausnahmslos alle Anrufe zurückverfolgen“, warnt Goebel.
Echte Notfälle
Aber auch wenn ein Anruf immer sinnvoll ist, sollte die 112 doch Notfällen vorbehalten bleiben. „Wenn eine lebensbedrohliche Situation eintritt, muss in jedem Fall die 112 gewählt werden. Dazu gehören neben schweren Unfällen zum Beispiel Vergiftungserscheinungen, Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, Kreislaufkollaps, schwere Atemnot oder starker Blutverlust“, erklärt Björn Röder, Rettungsdienstexperte der Johanniter in Ennepetal.
Bei akuten medizinischen Notfällen wird laut Röder in der Regel ein Rettungswagen losgeschickt, der mit professionellem Rettungsdienstpersonal besetzt ist. Leidet ein Patient zum Beispiel unter Atemnot oder starken Schmerzen oder ist er bewusstlos, wird durch die Rettungsleitstelle automatisch ein Notarzt mitalarmiert.
Ärztliche Breitschaft
Möchte man jedoch nur einen Arzt außerhalb der üblichen Sprechzeiten erreichen, sollte stattdessen der ärztliche Bereitschaftsdienst angerufen werden. Das gilt zum Beispiel bei einer starken Erkältung, einer Magen-Darm-Grippe, bei Schüttelfrost oder hohem Fieber. Überall in Deutschland sind niedergelassene Ärzte im Einsatz, die Patienten in dringenden medizinischen Fällen ambulant behandeln – auch nachts, an Feiertagen und ­Wochenenden.
Für den ärztlichen Bereitschaftsdienst gilt deutschlandweit, jedoch nicht in anderen Ländern, ebenfalls eine einheitliche Rufnummer: Die 116117 funktioniert ohne Vorwahl, ist kostenlos und kann vom Festnetzanschluss wie vom Mobiltelefon aus gewählt werden.
Um im Ernstfall zu unterscheiden, ob es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelt oder nicht und um richtig helfen zu können, raten die Johanniter, die eigenen Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. „Im Zweifelsfall gilt jedoch: Lieber die 112 einmal zu oft wählen als einmal zu wenig“, resümiert auch Röder.
Wichtige Angaben
Wird der Notruf gewählt, sollten einige Angaben gemacht werden, um möglichst schnell und effektiv Hilfe zu bekommen.

  • Wo ist es passiert? Ort, Stadtteil, Straße, Hausnummer und ergänzende Angaben sind hilfreich. Je genauer die Ortsangabe, desto weniger Zeit verbringen die Einsatzkräfte mit dem Suchen nach der Einsatzstelle.
  • Was ist passiert? Es gilt, das Ereignis in kurzen, prägnanten Stichworten zu beschreiben, z.B. Verkehrsunfall, bewusstlose Person, Sturz von einer Leiter, Feuer, Explosion etc.
  • Wie viele Verletze/Erkrankte? Die Anzahl der Verletzten/Erkrankten möglichst genau mitteilen. Bei größeren Unfällen reicht eine wohl überlegte Schätzung aus. Bitte nicht über- oder untertreiben.
  • Welche Art der Verletzung/­Erkrankung? Dies macht es möglich, eventuell weitere geeignete Einsatzmittel auf den Weg zu schicken.
  • Wer meldet das Ereignis? Namen und Rückrufnummer für Nachfragen nennen und – falls möglich – in Reichweite des Apparates bleiben. Eintreffen der Einsatzkräfte zwecks gezielter Einweisung abwarten. Erste Hilfe und Eigenschutz gehen aber in jedem Fall vor.
  • Auf weitere Rückfragen oder auf Anweisungen der Leitstelle warten. Nicht auflegen, sondern warten, dass die Einsatzbearbeitende Person das Gespräch beendet.