Immer den Menschen im Blick

Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann nahm in seiner Rede Bezug auf Geschichte und Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Die Arbeiterwohlfahrt lebt von ihren starken Frauen; ohne diese gäbe es sie gar nicht“, erinnerte Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann bei der AWo-Gala im Gevelsberger Zentrum für Kirche und Kultur an die Gründerin der Organisation, Marie Juchacz: „Als sie 1919 die AWo ins Leben rief, legte sie den Grundstein für hauptsächlich ehrenamtlich geleistete Arbeit im Dienste von Kindern, Alten und Schwachen.“ Die Einrichtung von Wärmestuben, Suppenküchen und Nähwerkstätten, welche wegen der gegenwärtigen Sozialpolitik heute leider wieder hochaktuell seien, habe die frühen Jahre der SPD-nahen Gemeinschaft geprägt.

Etwa 350 Gäste hatten im voll besetzten Saal Platz genommen und erlebten ein fünfstündiges Programm mit Schaudarbietungen, Kabarett und Grußworten von Spitzenpolitikern aus Kommune, Kreis und Land. Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi betonte, dass die Ehrenamtlichen die eigentlichen Hauptpersonen der Feier seien. „In Tagen der Umverteilung von unten nach oben schenken Sie den Bedürftigen das Wertvollste, was es heute gibt: Zeit“, drückte das Stadtoberhaupt seinen Respekt aus: „So leben sie den Leitgedanken des Gründers der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner: ,Gutes in der Welt entsteht dann, wenn man mehr tut als man tun muss.“

„Sie sind stille Helden des Alltags“, nahm Adi Ostertag, AWo-Kreis- und Unterbezirksvorsitzender, ein Wort von Altbundespräsident Johannes Rau auf: „Hunderte von Helfern kümmern sich um Menschen am Rande der Gesellschaft und wirken so aktiv für das Gemeinwohl.“ Auf Seitenhiebe nach Berlin mochte der Politiker aber nicht ganz verzichten. „Das Tricksen und Mogeln von das Schwarz-Gelb auf Kosten der Ärmsten im Lande widerspricht völlig der Idee der Arbeiterwohlfahrt. Darum muss unsere Devise heißen: ,Ausgrenzung verhindern, Solidarität stärken‘.“

Dötze der Kindertagesstätte Silschede verbreiteten „Lichterglanz und Weihnachtszauber“ zu Ehren der freiwilligen AWO-Helfer. (Foto: Stefan Scheler)

Dem schloss sich auch Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann an. „Das kollegiale Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen macht den besonderen Charme der AWo aus“, lobte der ausgebildete Sozialarbeiter: „Das professionelle Dienstleistungs-Unternehmen wäre zum Beispiel bei der Organisation von Sommerfesten oder der Seniorenbegleitung ohne die Hilfe der Freiwilligen nicht optimal handlungsfähig.“ In diesem Zusammenhang hob der Leiter der Bezirksregierung besonders die AWo-Modelleinrichtung Schultenhof in Dortmund hervor. „Auch deren Betrieb wäre ohne die Mitarbeit sozial engagierter Menschen nicht denkbar“, drückte der Sozialdemokrat seine besondere Wertschätzung aus: „Ihr seid das Salz in der Suppe der Arbeiterbewegung. Seid ein gutes Salz!“

In Anbetracht des hohen Durchschnittsalters der Anwesenden forderte Landrat Dr. Arnim Brux in seinem Grußwort mehr Einsatz der Jugend. „In Großbritannien gibt es ein Schulfach ,Social Care‘, also Sozialfürsorge“, blickte der Leiter der Kreisverwaltung über den „Gartenzaun“: „Das wäre auch hier eine gute Sache, um frühzeitig Bewusstsein zu schaffen.“

Damit bei allem gebotenen Ernst die Unterhaltung nicht zu kurz kam, erlebten die Gäste unter der Moderation von AWo-Geschäftsführer Jochen Winter herzerfrischende Darbietungen der Kinder aus der Kindertagesstätte Silschede und der Grundschule Sprockhövel-Börgersbruch. Dass Ostwestfalen nicht zwingend humorlos sein müssen, bewies außerdem der Paderborner Kabarettist Erwin Grosche, der so zu einer insgesamt heiteren und besinnlichen Veranstaltung beitrug.