Jugendwerkstatt Süd-EN: Landesmittel bewilligt

Sozialpädagogin Dorothee Feldkamp (links) und Projektleiterin Irina Grove zeigen den Stundenplan der Jugendwerkstatt Süd-EN. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Außer fachlichen Kompetenzen wollen wir auch grundlegende Kulturtechniken vermitteln“, brachte AWo-Geschäftsführer Jochen Winter das Konzept der Jugendwerkstatt Süd-EN bei der Vorstellung des neuen Projekts in der AWo-Zentrale an der Gevelsberger Neustraße vor wenigen Tagen auf den Punkt: „Dazu gehören zum Beispiel auch geregelte gemeinsame Essenszeiten.“ Mit diesen wolle man den oft mit „Schulmüdigkeit“ der Klientel einhergehenden Schnellmahlzeit-Gewohnheiten vor Fernseher oder Computer entgegenwirken.

„Gedacht ist die Jugendwerkstatt nicht als Ersatz für die Berufsschule“, erläuterte Projektleiterin Irina Grove die Ziele der Einrichtung: „Vielmehr wollen wir als Ergänzung zur Haupt- oder Förderschule und neben der Berufsschule Jugendlichen und Heranwachsenden von 16 bis 23 Jahren eine Perspektive bieten, indem wir ihnen mit praktischen Arbeiten beim Berufsfindungsprozess zur Seite stehen.“

Hervorgerufen von finanziellen, häuslichen oder familiären Schwierigkeiten und ausgelöst von einem überschwappenden Angebot an wenig zielführenden Ablenkungen wie zum Beispiel Computerspielen, verlören viele Jugendliche den Bezug zur Wirklichkeit und könnten sich in den letzten Schuljahren nicht aktiv auf einen ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Beruf vorbereiten, referierte Rolf Kappel, AWo-Bereichsleiter für Arbeit und Qualifizierung. „Infolgedessen sind inzwischen 150.000 Jugendliche bundesweit ohne Berufsausbildung“, präsentierte der Ausbildungs-Spezialist beängstigende Zahlen: „50 Prozent eines Jahrgangs schaffen einen reibungslosen Berufseinstieg, aber 36,7 Prozent zeigen ,diskontinuierliche Verläufe‘, also Brüche in der beruflichen Biografie.“ Ursachen seien unter anderem materielle Nöte der oft allein erziehenden Eltern und häusliche Konflikte. Indem sich der Nachwuchs von diesen Problemen aus der Bahn werfen lasse, verlagere sich das Problem in die nächste Generation – ein Teufelskreis.

Um diesen zu durchbrechen, bemüht sich die Jugendwerkstatt Süd-EN um eine mit praktischer Arbeit erreichte Neuorientierung der Zielgruppe. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die für den Projektaufbau nötigen finanziellen Mittel vor wenigen Tagen bewilligt, wofür sich die heimischen Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Rainer Bovermann, Hubertus Kramer und Thomas Stotko beim zuständigen Ministerium vehement eingesetzt hatten. „Die sozialen Folgekosten misslungener Berufseinstiege treffen uns alle“, begründete Rainer Bovermann sein Engagement: „Davon konnten wir auch den Staatssekretär schließlich überzeugen.“

Sozialpädagogin Dorothee Feldkamp, Projektleiterin Irina Grove, AWo-Geschäftsführer Jochen Winter sowie die Landtagsabgeordneten Hubertus Kramer und Professor Dr. Rainer Bovermann (von links) mit Stundenplan und Bewilligungsbescheid. (Foto: Stefan Scheler)

„Wir haben im Südkreis bereits einige qualifizierte Ansätze, für deren Ausbau es sich zu kämpfen lohnt“, ist Hubertus Kramer überzeugt: „Hier leisten Fachleute mit den Betroffenen verantwortliche und vorbildliche Arbeit.“

„In der Jugendwerkstatt, für die wir noch einen Standort suchen, sollen die Absolventen von Haupt-, Förder- und Gesamtschulen in drei Werkbereichen praktisches Handeln erlernen“, so Irina Grove: „Es gibt ein Holzgewerk, den Hauswirtschaftsbereich und eine Mischform aus Gartenbau und Kreativsegment, alles unterrichtet von Fachleuten auf ihrem Gebiet.“ Die Berufsschule ersetzen könne und dürfe die Maßnahme dagegen nicht, so dass an zwei Tagen der Woche der Besuch dieser Einrichtung zwingend auf dem Plan stehe. 24 Plätze gebe es für die meist noch minderjährigen Interessierten, die deshalb die Eltern, das Jugendamt oder die Lehrer bei der Jugendwerkstatt anmelden müssten. Ab 18 Jahren kann man sich dann auch selbst für die Einrichtung entscheiden.

„Das Thema ist nicht neu für uns, aber wir haben jetzt die besseren Mittel“, fasste es Jochen Winter zusammen: „Als Mitarbeiter in der Werkstatt suchen wir noch gestandene Männer als Ausbilder, damit es ab dem 1. Februar 2012 damit losgehen kann, Jugendlichen im Südkreis bessere Zukunftsperspektiven zu bieten.“ Die Förderung des Projekts ist mit rund 200.000 Euro pro Jahr auf Dauer ausgelegt, womit die Kosten für 4,5 Stellen zu stemmen sind.