Keine Chance mehr für Mief und Maden

Bioabfälle wie zum Beispiel besonders ergiebige Kaffeefilter können ab sofort hygienisch sauber in Biobeuteln gesammelt und umweltfreundlich entsorgt werden, wie (von links) die AHE-Mitarbeiterinnen Nadine Noske und Heike Heinzkill sowie BASF-Marktentwickler Jens Hamprecht betonen. (Foto: Frank Schmidt)

EN-Kreis. (zico) Bio-Abfälle sind wichtiger und wertvoller, als viele Mitbürger denken. Und: „Es gehört mehr in die Biomüll-Tonne als man denkt“, betonten die Vertreter von AHE, AVU und BASF im Zusammenspiel mit Kreis-Umweltdezernent Klaus Tödtmann vor wenigen Tagen auf dem AHE-Gelände „Am Hundeicken“ in Gevelsberg. Manchmal sind es einfach nur kleine Änderungen im Haushalt, die zu einer bewussteren Mülltrennung beitragen: Die AHE als führendes Entsorgungsunternehmen im Ennepe-Ruhr-Kreis bietet ab sofort Biomülltüten aus dem von BASF entwickelten, kompostierbaren Kunststoff „Ecovio“ an.

Für die Bürger stellt die Einführung der Tüten eine große Erleichterung beim Sammeln von Küchen- und Gartenabfällen dar, denn mit den luftdurchlässigen Tüten werden Geruchsbelästigung und Ungezieferbefall vermieden. Dies erwies sich für umweltbewusste Mülltrenner besonders in den Sommermonaten immer wieder als Problem – üble Gerüche und Madenbefall hinderten so manchen aufgeschlossenen Bürger daran, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen.

Die neuen Tüten weichen im Gegensatz zum bislang empfohlenen Papier nicht durch. „Wenn den Bürgern durch eine hygienische und leichte Verpackung das Sammeln von Bioabfall erleichtert wird, dient das auch der Gewinnung von erneuerbarem Strom aus unserer neuen Biogasanlage“, erläutert Heike Heinzkill von der AHE. Auf diese Weise möchten der Ennepe-Ruhr-Kreis und die AHE die 70 Kilogramm Bioabfall pro Kopf und Jahr noch erhöhen und somit mehr „Rohstoff“ für die Stromerzeugung sammeln. Noch landen freilich 35 Kilogramm Bioabfall pro Einwohner und Jahr in der Restmülltonne, obwohl es umweltschonendere Entsorgungsmöglichkeiten gibt.

Die Biogasanlage am AHE-Standort Witten befindet sich derzeit in der letzten Bauphase – der Start ist für dieses Jahr geplant. „Bereits für Oktober sind die ersten Testläufe vorgesehen“, wie Heike Heinzkill mitteilte. Auch vor dem Hintergrund der beschlossenen, bundesweiten Energiewende ist die Biogasanlage ein bedeutendes Projekt für den EN-Kreis. In einer geschlossenen Biogasanlage mit kombinierter Vergärungs- und Kompostierungsstufe sollen pro Jahr 2,2 Millionen Kubikmeter Biogas und daraus 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von zukünftig 2.000 Haushalten und einer Kohlendioxid-Reduktion um 4.000 Tonnen pro Jahr.

„Aber auch im Hinblick auf die Schonung wichtiger Ressourcen spielt die verstärkte Sammlung von Bio-Abfällen eine wichtige Rolle“, wie Jens Hamprecht von den BASF betonte: „Das Element Phosphor, das zum Beispiel für die Düngung der Böden verwendet wird, dürfte in 50 Jahren komplett abgebaut sein. Phosphor ist auch im Biomüll enthalten. Verbrennt man diesen Müll, wird der Phosphor zerstört – in der Biogasanlage kann er jedoch zurück gewonnen werden.“ Phosphor kann in Düngemitteln von keinem anderen Stoff ersetzt werden.

Die neuen Biomülltüten sind im Zehnerpack für 1,90 Euro an der AHE-Umladestation in Gevelsberg, Hundeicker Straße 24-26, sowie in den heimischen AVU-Treffpunkten in Ennepetal, Voerder Straße 70; Gevelsberg, Mittelstraße 53; Schwelm, Bahnhofstraße 3; Sprockhövel, Hauptstraße 56, erhältlich. Das für die Tüten verwendete Material Ecovio FS wird von Mikroorganismen mit Hilfe von Enzymen abgebaut. Am Ende der Kompostierung haben die Mikroorganismen die Tüte vollständig zu Kohlendioxid, Wasser und Biomasse umgewandelt. „Die Biomülltüten verrotten schneller als Kartoffeln“, so Jens Hamprecht.

Einer umweltgerechten und hygienischen Biomüllentsorgung sollte damit nun auch im EN-Kreis nichts mehr im Weg stehen.