„Kostenlose Schulbücher und Arzneimittel ohne Zuzahlung“

Gevelsberg/EN-Kreis. (zico) „22 Millionen Menschen werden nicht vertreten. Wir haben keine Lobby in Berlin“, beklagen Rolf Langewiesche und Peter Buhle. Gemeint sind die Rentner in Deutschland, deren Interessen der 71-jährige Gevelsberger und sein 72-jähriger Mitstreiter aus Hagen nicht vertreten sehen. Darum machen sich die beiden Senioren im heimischen Raum für die im Jahre 2007 gegründete „Rentnerinnen und Rentner Partei“ stark. Obwohl gegründet, um älteren Menschen politisches Gewicht zu verleihen, sehen sie die „RRP“ nicht als Klientelpartei. „Sozialpolitik für alle Generationen“ ist denn auch der Haupt-Slogan, mit dem die Partei um Akzeptanz für ihre Arbeit wirbt.

Setzen sich nicht nur für die Belange älterer Menschen ein: Peter Buhle (links) und Rolf Langewiesche von der „Rentnerinnen und Rentner Partei“. (Foto: Frank Schmidt)

„Bildung, Rente und Gesundheit“ – das sind die Hauptsäulen, auf die wir unser Augenmerk legen“, erklärt Peter Buhle, Vorsitzender des Hagener RRP-Kreisverbandes: „Auch Rente fängt schließlich bei der Bildung an. Bildung garantiert Zukunftschancen!“ Doch laut Pisa-Studie rangiere Deutschland in Sachen Bildung im europäischen Vergleich im unteren Drittel. Wie dem zu begegnen ist, davon haben Buhle und sein Gevelsberger Parteifreund Langewiesche eine klare Vorstellung: Die Frühförderung aller Kinder und Lernmittelfreiheit, also die kostenlose Bereitstellung von Büchern und anderem Unterrichtsmaterial, sind zwei zentrale Forderungen. „Aber auch die Vereinheitlichung der Lehrpläne nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch innerhalb der einzelnen Bundesländer, Städte, ja Schulen, ist notwendig. Es kommt durchaus vor, dass ein Kind, dass innerhalb einer Schule und eines Jahrgangs die Klasse wechselt, mit ganz anderen Lerninhalten konfrontiert wird“, beklagt Peter Buhle. Und Rolf Langewiesche ergänzt: „Natürlich muss auch der Lehrermangel beseitigt werden. Das Geld dafür lässt sich leicht an anderer Stelle einsparen. Zum Beispiel, in dem man Beamte ebenfalls für ihre Altersvorsorge einzahlen lässt – vom Staat bezahlte Pensionen sind ein in Europa einmaliges Auslaufmodell, das den Staat jährlich 100 Milliarden Euro kostet. Aber auch die Reduzierung der Zahl unserer bundestagsabgeordneten brächte finanzielle Entlastung. Wir leisten uns mehr Abgeordnete im Bundestag als die USA in Kongress und Senat.“

Abschaffung der Pensionen – ein Thema, das direkt zum Kernanliegen der RRP führt. Dieses Thema heißt Rentengerechtigkeit. „Seit 1957 hat jede Rentenreform zu weniger Rente geführt, und auch die Eröhung der Rente zur Jahresmitte um 0,99 Prozent wird von der Inflation mehr als aufgefressen“, beklagen Buhle und Langewiesche: „Dass die Rentenkassen leer sind, ist eine große Lüge. In den vergangenen Jahren wurden rund 700 Milliarden Euro aus der Rentenkasse für Fremdleistungen entnommen, zum Beispiel den Aufbau Ost.“ Die Rentnerpartei fordert daher ein Drei-Säulen-Modell zur Altersvorsorge, bestehend aus der bisherigen Rentenversicherung, einer staatlich verordneten Betriebsrente, in die vor allem die Arbeitgeber einzahlen sollen, sowie eine staatliche Rente, die maßgeblich vom Staat gespeist wird. „In Deutschland leben sieben Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Die Hälfte davon sind Rentner“, legt Langewiesche Zahlen vor. Der Generationenvertrag könne auf Dauer nicht funktionieren, da mehr und mehr Rentner von immer weniger Arbeitnehmern finanziert werden müssten und es daher immer kleinere Renten geben werde.

Auch in Sachen Gesundheit möchte die RRP an Stellschrauben drehen. „Wir haben in Deutschland die höchsten Zuzahlungen zu Medikamenten in ganz Europa“, kritisieren Buhle und Langewiesche: „Es kann doch nicht richtig sein, dass Aspirin in Griechenland um 25 Prozent billiger ist als in Deutschland. Wir fordern europaweit gleiche Preise für Medikamente und eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Für den Patienten müssen ärztliche verordnete Medikamente wieder zuzahlungsfrei sein.“

Insgesamt geht es den Rentnern darum, eine sozialere Politik nicht nur für ältere Menschen auf den Weg zu bringen. „Es kann doch nicht sein, dass in Deutschland Millionen Menschen, darunter viele Retner und vor allem Frauen, aus Suppenküchen ernährt werden“, nehmen Peter Buhle und Rolf Langewiesche eine „ungerechte Verteilungspolitik“ ins Visier. Derzeit treffen sie sich regelmäßig mit anderen Mitstreitern zu einem politischen Stammtisch des Kreisverbandes Hagen. Bald schon soll in Gevelsberg ein Verband für den Ennepe-Ruhr-Kreis aus der Taufe gehoben werden. Wer dabei mitmachen möchte oder sich generell für die Arbeit der „Rentnerinnen und Rentner Partei“ interessiert, kann sich an Rolf Langewiesche, Ruf (02332) 50033, oder Peter Buhle, Ruf (02331) 41324, wenden, um weitere Informationen zu erhalten.