Leo geht nach Schwelm: Ibach-Haus wird neue Theater-Heimat

Schwelm. (saz/je) Für das derzeit eh schon arg gebeutelte Ennepetal
dürfte es ein herber Verlust sein: Nach vier Jahren im Haus Ennepetal wird im
Sommer 2017 eben dort der letzte Vorhang für das Leo-Theater fallen. Damit endet
dessen Erfolgsgeschichte jedoch noch lange nicht. Vielmehr beginnt ein neues
Kapitel in einem neuen Zuhause.

Nach Ende der aktuellen Spielzeit wird das Schwelmer Ibach-Haus neue
Spielstätte für das ursprünglich aus Wuppertal stammende Theater sein. Damit
startet das Leo einen Neuanfang nach turbulenten Zeiten. Vor allem der unschöne
Abgang von Theatergründer Thorsten Hamer im vergangenen Januar hatte einen
bitteren Beigeschmack. Doch diesen Rückschlag konnte das Leo ohne Probleme
abschütteln. Nicht zuletzt dank Marc Neumeister, der bereits Ende 2015 das Amt
des Künstlerischen Leiters übernommen hatte.
Kultur trifft Kultur
Und Neumeister blickt schon mit großer Vorfreude auf die Zukunft im
Ibach-Haus, welches seiner Meinung nach hervorragend zum Leo passt: „Es ist eine
kulturhistorische Stätte und man erwartet von uns Kultur.“
Auch der Saal, der für das Leo noch umfangreich renoviert, mit neuer Bühne,
neuen Fenstern und neuen Böden ausgestattet wird, hat es ihm angetan. „Es ist
einfach hell und freundlich hier drin“, freut sich Neumeister, als er am
vergangenen Dienstag nach Verkündigung des Umzuges auf der Bühne steht und sich
umschaut. Es ist förmlich zu spüren, dass er sich im Ibach-Haus schon jetzt wohl
und zu Hause fühlt.
Störungsfreier Betrieb
Außerdem macht die neue Spielstätte vieles leichter. Zwar war das Leo im Haus
Ennepetal sozusagen „Ankermieter“, musste sich jedoch oft auch spontan
städtischen Veranstaltungen unterordnen. So waren zeitlich konzentrierte Proben
oder die Vorbereitung von Bühnenbildern und damit der gesamte Theaterbetrieb
nicht immer ohne Störung möglich und auch der Saal stand nicht zu jeder Zeit zur
Verfügung. Das ändert sich in den Mauern der ehemaligen Schwelmer Klavierfarbik
nun grundlegend. „Hier sind wir endlich autark“, betont Neumeister. Denn das Leo
wird allein die Bühne bewirtschaften.
Viele weitere Fakten sprechen in den Augen der Kulturschaffenden aus dem Leo
für einen Umzug an die Schwelme, sei es der nur wenige Meter entfernte Bahnhof
mit Anschluss an Düsseldorf, Wuppertal, Hagen oder Dortmund, das gastronomische
Angebot im Umfeld oder Übernachtungsmöglichkeiten für die teilweise weit
anreisenden Gäste. Und auch wenn es niemand so ganz direkt aussprechen möchte –
das sich stetig verschlechternde Sicherheits- und Sauberkeitsempfinden der Gäste
rund um die jetzige Spielstätte hat wohl keine unerhebliche Rolle inne.
Erster Vorgeschmack
So kann der Umzug in den Augen von Marc Neumeister auch eigentlich gar nicht
schnell genug vonstatten gehen. Um sich und das Publikum im Vorfeld schon einmal
auf die neue Wirkungsstätte einzustimmen, gibt er bereits kommenden Monat einen
ersten Vorgeschmack.
Am Mittwoch, 23. November, wird Neumeister um 20 Uhr mit seinem Solo-Stück
„Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa.“ auf der noch nicht umgebauten Bühne im ehemaligen
Klavierverkaufsraum des Ibach-Hauses stehen.
Nicht nur Theater
Das Leo-Kerngeschäft wird auch im neuen Zuhause „das Theaterspielen sein“,
wie Geschäftsführer Andreas Winkelsträter betont. Schwerpunkt bleiben dabei die
beliebten Komödien: „Die Gäste sollen unser Theater weiterhin mit einem Lächeln
verlassen.“
Die neuen Räumlichkeiten und der komplett zur Verfügung stehende Kalender
bieten aber noch viel mehr Spielraum für ein erweitertes Angebot. „Ich stelle
mir hier Konzerte und Lesungen vor“, erklärt Winkelsträter. „Aber auch
politische Diskussionen können in unserem Haus stattfinden. Wir wollen ein Teil
der Stadtgesellschaft werden.“
Dabei will Winkelsträter auch bereits gewachsene Strukturen erhalten: „Wir
hoffen auf eine enge Kooperation mit der Kulturfabrik hier in Schwelm. Wir
stehen im Dialog und ich bin mir sicher, dass wir voneinander profitieren
können.“
Auch Vereinen und privaten Gruppen sollen die Räumlichkeiten weiterhin zur
Verfügung stehen. Dabei möchte Winkelsträter natürlich auch zu den Schwelmer
Nachbarschaften Kontakte knüpfen.
Der Zuzug des Theaters in die Kreisstadt freut auch Schwelms Bürgermeisterin
Gabriele Grollmann, die sogar persönlich an der Ankündigung des Umzugs in „ihre“
Stadt teilnahm: „Schwelm wird das neue Kulturangebot auf jeden Fall gut tun.“
Bereits jetzt habe sie viele Ideen, wie Stadt und Theater miteinander arbeiten
können.
„Wir haben eine Menge vor“, blickt der Leo-Geschäftsführer in die Zukunft.
„Zunächst wollen wir uns aber natürlich mit einer tollen Saison vom Haus
Ennepetal verabschieden. Alles, was geplant war, wird natürlich auch
stattfinden.“
Die letzte Premiere im Haus Ennepetal ist – der Name des Stückes ist wohl als
erstaunlicher Zufall anzusehen – die Uraufführung von „Trennung Pa(a)r
Excellence“ aus der Feder von Claudia van Veen und Jens Hajek.
Reaktionen in Ennepetal
Bei der Stadt Ennepetal reagierte man auf Nachfrage des Wochenkuriers
zunächst etwas geschockt auf die Nachricht des Umzugs, denn zumindest der
Verwaltungsspitze war dieses Vorhaben bis zu Beginn der Woche nicht bekannt.
Bürgermeisterin Imke Heymann äußerte später ihr Bedauern: „Ich finde es sehr
schade, dass das Leo-Theater Ennepetal verlässt. Dieser Weggang ist ein großer
Verlust für das kulturelle Leben in unserer Stadt.“
Positiv sei jedoch, dass das Theater unserer Region erhalten bleibe und für
die Menschen aus Ennepetal – die Laut Info des Leos derzeit immerhin etwa ein
Drittel aller Besucher ausmachen – weiterhin leicht erreichbar sei. Auf die
Planungen zur Zukunft von Haus Ennepetal, zu denen es derzeit noch keine
konkreten Entscheidungen gibt, habe der Wegzug aber keinen Einfluss.
Deutlich emotionaler reagierte Volker Rauleff, stellvertretender
Aufsichtsratsvorsitzender „Kluterthöhle & Freizeit“, die auch das Haus
Ennepetal betreibt, am vergangenen Donnerstag. „Für künstlerische Entscheidungen
habe ich Verständnis, aber über die Art und Weise des Abschieds ärgere ich
mich.“
Die Bedingungen im Haus Ennepetal seien bekannt gewesen und ohne die
Unterstützung durch dessen Team würde das Leo-Theater möglicherweise gar nicht
mehr bestehen.