Lu Jele entführte in außerirdisches Leseabenteuer

Finn Riedl las im Rahnen des Vorlesewettbewerb aus dem Jugendbuch „Vorstadtkrokodile“ vor. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Man könnte eine Stecknadel fallen hören in der Gevelsberger Stadtbücherei an der Wittener Straße. Rund 50 Augenpaare hängen gebannt an den Lippen des Jungen, der aus dem Jugendbuch „Vorstadtkrokodile“ vorträgt. Max von der Grün hat die Geschichte um den querschnittsgelähmten Kurt, der in einer Jugendclique, eben den Vorstadtkrokodilen, aufgenommen werden möchte, schon 1976 veröffentlicht. Von „Inklusion“, dem großen schulischen Thema unserer Tage, redete man damals noch nicht. Doch die Geschichte vom mutigen Kurt, die viele der Eltern und Großeltern in ihren eigenen Jugendtagen als Film und Buch kennen gelernt haben, fesselt noch immer. Und Finn Riedl, dessen Augen schnell von Zeile zu Zeile flitzen, weiß die Spannung mit fester Stimme hoch zu halten.

Finn ist eines von 18 Kindern, die sich im Ennepe-Ruhr-Kreis an der diesjährigen Runde des bundesweiten Vorlesewettbewerbs beteiligen. Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels wird seit 1959 jedes Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und kulturellen Einrichtungen veranstaltet. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Rund 620.000 Schüler beteiligen sich jedes Jahr. Ziel ist die Leseförderung unter Kindern und Jugendlichen. Mitmachen können alle sechsten Schulklassen. Wer gerne liest und Spaß an Büchern hat, ist eingeladen, sein Lieblingsbuch vorzustellen und eine kurze Passage daraus vorzulesen. Außerdem wird ein zweiter Text vorgegeben, der für alle gleich ist, damit niemand etwas auswendig Gelerntes vorträgt. Es soll ja ums Vorlesen gehen.

In Gevelsberg hat sich die Buchhandlung Appelt, Mittelstraße 76, des Vorlesewettbewerbs angenommen. Chefjurorin Anja Werner hatte mit dem Hauptschullehrer Lutz Klingelberg (Gustav-Heinemann-Schule Schwelm), Gabriele Linden von der Stadtbücherei Gevelsberg, dem Journalisten Hartmut Breyer und der Schulbüchereileiterin Carola Kulbarsch (Wilhelm-Kraft-Gesamtschule) belesene Experten zur Beurteilung an den Jurytisch eingeladen. Und es sollte spannend werden…

Am Ende hatte die Ennepetalerin Lu Jele Michelsen die Nase knapp vorn – sie hatte ihre Zuhörerschaft mit dem Vortrag aus dem Buch „Außerirdisch ist woanders“ von Susann Opel-Götz unterhalten. Auf Platz zwei kam die Wittenerin Nele Kalkhoff, die sich Kenneth Bogh Andersons Buch „Die teuflischen Abenteuer des Filip Engel“ ausgesucht. Beide Kinder lasen als „Pflichtlektüre zudem einige Seiten aus „Wir können alles verlieren oder gewinnen“ aus der Feder des finnischen Autors Seita Parkkola vor. Für die Siegerin geht es nun in Kürze weiter mit der Entscheidung auf Regierungsbezirksebene – danach werden die Landes- und im Juni schließlich der Bundessieger in Bonn ermittelt.

„Mindestens ebenso wichtig ist allerdings, dass alle Kinder weiter Freude am Lesen haben“, meint Anja Werner von der Buchhandlung Appelt: „Bücher gibt es für jeden Geschmack und zu allen Themen. Ob Spannung, Unterhaltung, Wissen – Lesen ist Kino im Kopf und eine Reise in fremde Welten. Der Vorlesewettbewerb bietet die ideale Gelegenheit, in diese Welten einzutauchen.“