Mini-Drohne über Schwelm: Was wird hier ausspioniert?

Der sogenannte „Multicopter“, den Natascha Grieger in diesem Bild gestesgegenwärtig festhielt, kreiste über dem westlichen Teil Schwelms - und hat möglicherweise sehr intime Aufnahmen gemacht. (Foto: Natascha Grieger)
Der sogenannte „Multicopter“, den Natascha Grieger in diesem Bild gestesgegenwärtig festhielt, kreiste über dem westlichen Teil Schwelms – und hat möglicherweise sehr intime Aufnahmen gemacht. (Foto: Natascha Grieger)
Natascha Grieger ist entsetzt: Ein Multicopter kreiste am Donnerstag direkt über ihr im häuslichen Garten und produzierte Aufnahmen. Unweit von ihrem Grundstück wurden unbekannte Männer mit Fernbedienung und Monitor beobachtet. Nicht nur die junge Frau fragt sich: Was soll in Schwelm ausspioniert werden? (Foto: privat)
Natascha Grieger ist entsetzt: Ein Multicopter kreiste am Donnerstag direkt über ihr im häuslichen Garten und produzierte Aufnahmen. Unweit von ihrem Grundstück wurden unbekannte Männer mit Fernbedienung und Monitor beobachtet. Nicht nur die junge Frau fragt sich: Was soll in Schwelm ausspioniert werden? (Foto: privat)

Schwelm. (zico) Natascha Grieger traute am Donnerstag, 6. Juni 2013, nachmittags gegen vier Uhr ihren Augen nicht und fühlte sich in einen James Bond-Film versetzt. „Eine kleine Flugdrohne mit Kamera flog über den westlichen Bereich von Schwelm. Ich hörte ein seltsames Geräusch, wie von einem Hornissenschwarm, mehrere Male, bis ich dann auch die Ursache entdeckte. Das Teil flog sehr tief in meinen Garten an der Jesinghauser Straße 2 hinein, senkte die Flughöhe deutlich ab – unter Haus und Baumhöhe – und stand für eine kleine Weile direkt über mir. Ich konnte die Linse der Kamera genau erkennen. Da ich gerade beim Sonnenbad war, kann ich mir gut denken, dass dabei sehr intime Aufnahmen entstanden sein könnten“, schildert die Schwelmerin den beunruhigenden Vorfall.

Als das Flugobjekt sich schon wieder in Richtung Himmel entfernte, um in Richtung Oehde zu fliegen und weiter über dem westlichen Teil Schwelms zu kreisen, zückte die 33-Jährige noch geistesgegenwärtig ihre Kamera und machte zwei Aufnahmen. Über die Facebook-Gruppe „Du bist Schwelmer, wenn…“ erhielt sie dann die Information, dass es sich um einen sogenannten „Multicopter“ handelte, einen ferngesteuerten Mini-Hubschrauber mit acht Rotoren, der hier möglicherweise für unseriöse Zwecke und nicht als modernes Männerspielzeug genutzt wurde. Was sollte auf Natascha Griegers Grundstück und darüber hinaus auch auf anderen Grundstücken gefilmt, fotografiert oder gar ausspioniert werden?

„Was mich an der Sache vor allem beunruhigt ist, dass ich mir sehr gut denken kann, dass da jemand die Nachbarschaft ausspäht zwecks eventueller Einbruchsdelikte. Denn Anhand der Aufnahmen dürfte es sowohl möglich sein zu erkennen, ob die Bewohner vielleicht verreist sind und wo es zum Beispiel Fenster oder Gartentüren gibt und wie diese beschaffen sind“, befürchtet Natascha Grieger: „Ich möchte keine Panik machen, aber die Schwelmer sollten darauf achten, ob sie irgendwo so ein Ding am Himmel oder vor ihrem Fenster sehen.“

In der Nähe, an der Augustastraße, so Natascha Grieger weiter, sah eine Zeugin zwei Männer mit der Fernbedienung und einem Dreibein mit Monitor. Einer stabil und dunkelhaarig, einer dünner mit Kappe. Die junge Frau hat mittlerweile selbst ein wenig recherchiert und heraus gefunden, dass solche „Multicopter“ zum Beispiel eingesetzt werden, um Luftaufnahmen im Auftrag von Hausbesitzern zu machen. Doch als Eigentümerin ihres Hauses hat sie einen solchen Auftrag ebenso wenig erteilt wie die „Schwelmer & Soziale“, der Häuser in der Nachbarschaft gehören.

Als die wachsame Kreisstädterin ihre Beobachtung der Polizei in Enneptal mitteilte, fühlte sie sich dort nicht ernst genommen. Deshalb hat sie über das Internet Anzeige beim Landeskriminalamt erstattet, da sie ihre Bild- und Persönlichkeitsrechte verletzt sieht.

Das Strafgesetzbuch gibt ihr im Paragraphen 201a offensichtlich Recht. Dort heißt es zum Bereich Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen:

(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Dietmar Trust, Sprecher der Kreispolizei im EN-Kreis, bestätigte gestern auf Nachfrage des wochenkuriers den Eingang der Online-Anzeige beim Landeskriminalamt, die an die Kreispolizei weiter geleitet wurde. „In der Tat wurden hier möglicherweise Persönlichkeitsrechte verletzt. Wir haben die Ermittlungen aufgenommen; mehr kann ich jedoch zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen.“

Hinweise an die Polizei können aufmerksame Bürger
telefonisch unter der Nummer 02336 / 91660 geben.

Natascha Grieger jedenfalls hofft, dass die Verantwortlichen schnell ermittelt werden: „Egal ob da gerade Leute ihr neues Spielzeug testen, ein Spanner unterwegs ist oder Einbrecher die Gegend auskundschaften, ich lasse mich nicht gerne fotografieren und schon gar nicht, wenn ich den Fotografierenden nicht kenne und nicht sehen kann!“