Mit Kahn und Fallschirm ins Gevelsberger Strandbad

Gevelsberg. (zico) „Da hinten standen die Holzbuden zum Umkleiden, und in den frühen Jahren durfte man im Strandbad sogar Kahnfahren“, berichtete Fritz Sauer den Gästen einer kleinen Feierstunde, die sich am vergangenen Samstag auf den Tag genau 100 Jahre nach der Eröffnung des Gevelsberger Freibades im „Schwimm in“ eingefunden hatten.

„Eigentlich“, so wusste Fritz Sauer, „sollte das Gevelsberger Freibad ja zum Nirgena. Zumindest sahen erste Gespräche, die ab 1905 geführt wurden, diesen Standort vor. Aber die Kreisverwaltung erhob Einspruch dagegen, weil das Wasser dort damals zu schmutzig war.“ Also wählte man den ehemaligen Hammerteich für die Firma Hasenclever unweit des Viaduktes aus, um dort ein Freibad zu errichten. Später erfolgten zahlreiche Umbauten und Erweiterungen, von denen der Bau des benachbarten Hallenbades im Jahr 1975 sicherlich die bedeutendste war.

Einen Blick in die Geschichte warfen bei der kleinen Feierstunde zum 100-jährigen Jubiläum des Gevelsberger Freibades Bürgermeister Claus Jacobi (links), Badleiter Tobias Werner und Frauke Quell vom Badbetreiber Aquapark. (Foto: Frank Schmidt)
Einen Blick in die Geschichte warfen bei der kleinen Feierstunde zum 100-jährigen Jubiläum des Gevelsberger Freibades Bürgermeister Claus Jacobi (links), Badleiter Tobias Werner und Frauke Quell vom Badbetreiber Aquapark. (Foto: Frank Schmidt)

Schon Bürgermeister Claus Jacobi hatte zuvor in seinen Begrüßungsworten einen Ausflug in die Historie unternommen: „Unser Freibad war das zweite überhaupt in Deutschland – das erste wurde in Berlin errichtet.“ Mit einem „Gut nass – Hurra!“ habe Stadtdirektor Halverscheidt das Bad vor 100 Jahren in Betrieb genommen, nicht ohne auf die soziale Bedeutung des Strandbades hinzuweisen. Die aktuellen Besucherzahlen nach der Rekommunalisierung sind gut, allerdings stehen für die Zukunft bauliche Veränderungen ins Haus, um das Freibad zukunftsfähig zu machen – vor allem auch in energetischer Hinsicht.

Gut möglich allerdings, dass sich dann ein dicker Wermutstropfen ins Badewasser mischt: Derzeit überlegen die Verantwortlichen bei der Stadt, die Wasserfläche um mehr als die Hälfte zu verringern, um Heizkosten einzusparen. Dies würde nicht nur für drangvolle Enge an Sommertagen mit starkem Besuch sorgen, sondern auch wassersportliche Entwicklungen für Leistungsschwimmer oder auch Wasserballer unmöglich machen. Immerhin steht die Kommune Gevelsberg zu ihrer Verantwortung für das kommunale Schwimmen und damit verbundenen Schwimmunterricht, was längst nicht mehr alle Städte und Gemeinden von sich behaupten können.

Frauke Quell vom Betreiber Aquapark hatte indes nur gute Nachrichten für die Gäste parat: „Anstatt einer großen und teuren Feier lassen wir lieber alle Besucher am runden Jubiläum teilhaben. Für Schulkinder und Saunagäste gibt es während der Sommerferien Sonderrabatte. Die Ferienkarte für Hallen- und Freibad kostet nur 39 Euro, und im Saunabereich gibt‘s die Tageskarte zum Vier-Stunden-Tarif.“ Dann begann die große Poolparty, mit der auch im Wasser 100 Jahre Freibad gefeiert wurden – allerdings angesichts der Witterung im Hallenbad.

In Vorbereitung befindet sich zudem eine Fotoausstellung – wk-Leserin Liane Schlieper hat schon einmal ihr Archiv für den wochenkurier geöffnet. „Als ich vergangene Woche das historische Bild im wochenkurier sah, habe ich gleich erkannt, dass ich dieses Bild auch im Wohnzimmer hängen habe. Kein Wunder, denn abgebildet sind dort etliche Vorfahren unserer Familie. Und einer davon – übrigens der Onkel des früheren Kirmes-Aktivisten Adolf Schlieper – führte ja auch die erste Gastronomie am Strandbad. Liane Schlieper, die heute das Neue Forsthaus mit dem wunderbar eingerichteten Café betreibt, hat dem wochenkurier weitere Fotos aus der Frühzeit des strandbades zur Verfügung gestellt, die wir hier sehr gern veröffentlichen.