Nachfahre Friedrichs und Engelberts

Schwelm/EN-Kreis. (zico) Die korrekte Anrede des Adeligen interessierte Landrat Dr. Arnim Brux und Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi beim Besuch von Maximilian Erbprinz zu Benthein-Tecklenburg vor wenigen Tagen im Schwelmer Kreishaus ebenso wie die reiche Geschichte, die sich um die Familie derer zu Bentheim-Tecklenburg rankt. Immerhin pflegt der 43-Jährige nicht nur verwandtschaftliche Beziehungen zu fast allen Königshäusern Europas, sondern ist auch Nachfahre sowohl von Erzbischof Engelbert, als auch von dessen vermeintlichem Mörder, dem Grafen Friedrich von Isenburg, der Engelbert am 7. November 1225 im Gevelsberger Hohlweg erschlagen und damit eine Kette von geschichtlichen Ereignissen bis hin zum 30-jährigen Krieg ausgelöst haben soll.

Maximilian Erbprinz zu Benthein-Tecklenburg (Mitte) ließ sich von Landrat Dr. Arnim Brux (rechts) und Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi beim Besuch im Schwelmer Kreishaus das Modell der Isenburg erklären. (Foto: Frank Schmidt)

So war Maximilian denn auch besonders am Modell der Isenburg interessiert, das im Kreishaus im Maßstab 1:50 im Foyer vor dem Kreissitzungssaal steht. Dr. Arnim Brux, der Maximilian seit den gemeinschaftlichen Bemühungen zur Tourismus-Förderung innerhalb der Ruhrtal-Initiative kennt, erläuterte dem Erbprinzen launig die Besonderheiten des Modells von Stefan Leenen, der stets einen anachronistischen Fehler in seine Dioramen einbaut – auf dem Burghof des Isenburg-Modells etwa dreht ein Kameramann die mittelalterliche Szenerie. Nur zehn Jahre bestand die Isenburg, denn wegen des Mordes an Engelbert wurde die 1216/17 fertig gestellte Anlage 1225/26 zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Maximilian Erbprinz zu Bentheim-Tecklenburg erläuterte Jacobi und Dr. Brux die Hintergründe zur Erschlagung Engelberts von Berg, der nicht nur kirchlicher Würdenträger, sondern als Reichsverweser auch zweithöchster weltlicher Herrscher nach dem Kaiser war und ein Auge auf die Besitztümer Friedrichs geworfen hatte. Diese hatte Friedrich übrigens auf der „Kleinen Vogteirolle“ niedergelegt, die sich noch heute im Besitz Maximilians auf Schloss Rheda befindet. Engelberts sterbliche Überreste aber liegen noch heute im Kölner Dom, und Untersuchungen ergaben, dass das Skelett des Erzbischofen über 100 Knöchenbrüche aufweist. „Dies“, so Maximilan, „ ist Indiz für eine Gemeinschaftstat, wobei eigentlich davon auszugehen ist, dass Engelbert nur gefangen genommen und per Unterschrift zum Verzicht auf Friedrichs Besitz gezwungen werden sollte.“

All dies bewahrte Friedrich nicht davor, von Häschern in Utrecht gefangen genommen und in Köln grausam hingerichtet zu werden. Die Erschlagung Engelberts aber sollte nicht nur die Region verändern – ohne die Tat gäbe es zum Beispiel weder Gevelsberg, noch Hohenlimburg mit seinem bis heute erhaltenen Schloss -, sondern in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten auch das politische Geschehen in Europa nachhaltig prägen.

Landrat Dr. Brux und Bürgermeister Jacobi bedankten sich für den Besuch mit Büchern über Gevelsberg und die Region, einer Flasche Hochprozentigem und einer Münze. Aber auch eine Einladung zur nächsten Engelbertwoche nahm der Erbprinz, den man übrigens gern mit „Durchlaucht“ ansprechen darf, mit auf den Heimweg zu seinem Wohnschloss Rheda – schließlich war Maximilian noch nie in Gevelsberg und somit auch nicht auf jenem Hohlweg, auf dem seine Familiengeschichte eine entscheidende Wendung nahm…