Rauch in Gevelsberg

Gevelsberg. (je) Sie sind immer etwas Besonderes und holen stets sehenswerte Werke an die Ennepe. Auch die aktuelle gemeinsame Kunstschau von Stadt und Sparkasse Gevelsberg setzt diese Tradition fort, ja bildet vielleicht sogar ein ganz besonderes Highlight. Denn den Verantwortlichen ist es gelungen, Werke von einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler und drei seiner Meisterschüler im Ausstellungssaal der Sparkasse zu zeigen.

Der Meister

Neo Rauch wurde 1960 in Leipzig geboren, studierte an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst und war schon zu DDR-Zeiten künstlerisch tätig. Ab den 2000er Jahren erfuhr Rauch zunehmend Popularität, insbesondere auch in den USA, hatte später eine Professur in Leipzig inne. Heute wird er als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler gehandelt. Seine Bilder hängen in vielen wichtigen Kunstmuseen auf der ganzen Welt und erzielen im Verkauf teilweise Beträge im Millionenbereich. Stilistisch sind die Werke zwischen „Sozialistischem Realismus“, Pop Art und Comic angesiedelt. In Gevelsberg ist mit „Grund“ eines seiner Frühwerk zu sehen.

Die Schüler

Neben „Grund“ zeigt die Ausstellung vor allem die Werke von drei Schülern Rauchs. Titus Schade, Jahrgang 1984, stammt aus Leipzig, wo er auch lebt und arbeitet. In seinen Werken zeigt er vorwiegend architektonische Motive, die er in ganz eigener Weise spannend inszeniert. Die 1982 in Moskau geborene Kristina Schuldt ordnet in ihren Grafiken und Gemälden bekannte Formen und Objekte neu an, ja verzerrt diese gar surrealistisch. Die Bilder von Mirjam Völker schließlich stellen noch einmal eine Besonderheit innerhalb dieser besonderen Ausstellung dar. Hauptmotiv der 1977 in Wiesbaden geborenen Künstlerin sind Bauwerke, die an Hütten in Slums oder Dörfern fernab moderner Zivilisation erinnern. Für ihre Bilder fertigt Völker zunächst aufwändige Modelle, die sie schließlich abzeichnet. So entstehen pro Jahr nur etwa zehn Werke – was die in Gevelsberg gezeigten Bilder also zu echten Raritäten macht.

Die Idee

Grundlegende Idee der Ausstellung war es, zum Tag der Deutschen Einheit eine künstlerische Aufbereitung der zusammengewachsenen Bundesrepublik zu zeigen. Bürgermeister Claus Jacobi ist stolz, dass dies gelungen ist: „In der Sparkasse wird ein echtes Stück deutsch-deutscher Geschichte gezeigt. Ganz ohne aufgesetzte Botschaft.“ Und auch Kerstin Wahala, die die Ausstellung für die renommierte Berliner Galerie „Eigen + Art“ sowie für die „Grafikstiftung Neo Rauch“ konzipierte, ist begeistert: „Wir haben hier etwas ganz Neues gemacht, haben Meisterschüler aus verschiedenen Generationen zusammengebracht.“

Austausch

Um den Gedanken der Verständigung fortzusetzen, werden etwa 40 Gevelsberger Abiturienten die Grafikstifung Neo Rauch im nordwestlich von Leipzig gelegenen Aschersleben besuchen und sich dort im Rahmen der „Grafiktage“ in intensiven Workshops mit Kunst beschäftigen. Hierzu konnte Christiane Wisniewski von der Stiftung namhafte und erfahrene Künstler als Referenten gewinnen.

Die 13. gemeinsame Ausstellung von Stadt und Sparkasse Gevelsberg wird am Sonntag, 30. August 2015, im Beisein des Bürgermeisters von Aschersleben offiziell eröffnet.

Die Werke sind dann ab Montag, 31. August, bis zum 3. Oktober 2015 zu den Öffnungszeiten der Sparkasse (Mo.-Do., 8.30-18 Uhr sowie Fr., 8.30-15 Uhr) im „EnnepeFinanzCenter“, Mittelstraße 2-4, zu sehen. Zusätzliche Sonderöffnungszeiten gibt es außerdem am 5. September (10-15 Uhr), 27. September (12-17 Uhr) und 3. Oktober (12-14 Uhr). Zur Ausstellung hat die Sparkasse einen aufwändig gestalteten Katalog herausgegeben.