Richtiges Verhalten beim Verkehrsunfall

Wenn es gekracht hat

Wenn es gekracht hat, gibt es viel zu beachten. Wie lange muss man beispielsweise warten, wenn man einen parkenden Wagen gerammt hat? (Foto: TÜV Nord)

Iserlohn. Etwa alle zwölf Sekunden ereignete sich im vergangenen Jahr auf Deutschlands Straßen ein Verkehrsunfall. Wenn man selbst in eine solche Situation gerät, liegen die Nerven oft blank und es passieren schnell Fehler. Olav Roeske, Teamleiter bei Tüv Nord und zuständig für den Standort Iserlohn, gibt daher Tipps, wie man sich am Unfallort korrekt verhält und worauf man außerdem achten muss.
Wann muss die Polizei eingeschaltet werden?
Der erste Schritt ist die Absicherung der Unfallstelle mithilfe der drei Ws in der Reihenfolge: Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen. Handelt es sich nur um einen kleineren Blechschaden, muss außerdem die Fahrbahn geräumt werden, um den fließenden Verkehr nicht zu behindern. Wurden Personen verletzt, gilt es, unverzüglich Erste Hilfe zu leisten und den Notruf 112 zu wählen – diese Nummer gilt übrigens EU-weit. Beim Anruf des Notdienstes soll die Situation konkret und knapp geschildert und dann auf weitere Anweisungen gewartet werden.
„Es gibt fünf Unfallsituationen, in denen die Polizei unter 110 informiert wird: Wenn Beteiligte unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, ein Fahrzeug erkennbar aus dem Ausland kommt, bei größeren Sachschäden, wenn Personen verletzt sind oder bei Unfällen auf der Autobahn“, sagt der Tüv-Experte.
Bei kleineren Blechschäden ohne Verletzte ist ein Anruf bei 110 hingegen nicht notwendig. Es reicht dann, die Kontakt- und Versicherungsdaten auszutauschen und den Unfallort und Fahrzeugschaden mit Fotos oder zumindest einer Skizze zu dokumentieren.
Wenn es keine weiteren Unfallbeteiligten gibt, zum Beispiel beim Zusammenstoß mit einem parkenden Auto, muss man eine angemessene Zeit auf den Fahrzeughalter warten. Passiert der Zusammenstoß nachts, können 30 Minuten Wartezeit ausreichen. Auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Mittagszeit sollte man hingegen durchaus zwei Stunden warten.
„Erst dann kann man den Ort verlassen, nachdem man seine Kontakt- und Versicherungsdaten am Unfallort hinterlassen hat“, so Olav Roeske. Den Unfall meldet man dann umgehend bei der Polizei.
Wann muss Versicherung verständigt werden?
In den darauffolgenden sieben Tagen muss die Versicherung benachrichtigt werden. Andernfalls kann der Versicherungsschutz verfallen. Eine Ausnahme bilden Unfälle mit Todesfolge: Hier muss man innerhalb von 48 Stunden nach dem Unfallzeitpunkt die Versicherung verständigen.
Zur Ermittlung der Unfallkosten ist wichtig zu wissen: Wer keine Schuld am Unfall trägt, hat ein Recht auf die Begutachtung des Schadens durch unabhängige Sachverständige. Das erspart den Beteiligten viele Streitigkeiten und begünstigt eine faire und einvernehmliche Abwicklung.