Rotbuche inspirierte zu Neubau

So sieht der Bahnhof Schwelm heute noch aus. Am rauen Erscheinungsbild soll sich bis zum kommenden Jahr eine Menge ändern. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) „Der Bahnhof ist als Eingangstor für täglich 5.000 Reisende und Pendler die Visitenkarte unserer Stadt“, charakterisierte Bürgermeister Jochen Stobbe bei der Vorstellung der Planungen zu dessen Neubau die Aufgabe des Schwelmer Bahnhofs bei einem Treffen im Rathaus vor wenigen Tagen: „Äußerlich und in seiner Funktion hat das Gebäude in seinem aktuellen Zustand seine besten Tage bereits lange hinter sich.“

Um diesen Zustand zu beenden, haben der Großinvestor Oliver Garthe mit zwei Millionen Euro, die Stadt Schwelm mit 150.000 Euro und der VRR mit 850.000 Euro viel Geld in die Hand genommen, um aus dem Bahnterminal im Herzen der Kreisstadt wieder einen attraktiven Verkehrsknotenpunkt zu machen. „Die schöne Rotbuche im Park auf dem Bahnhofsvorplatz hatte es mir angetan“, begründete der in Wetter beheimatete Oliver Garthe seine Entscheidung, sich finanziell und planerisch in der Kreisstadt zu engagieren: „Es lohnt sich, das Ensemble aus Bahnhofsgebäude und grünem Umfeld optisch und funktional aufzuwerten.“ Dazu soll eine Baumaßnahme dienen, welche im Herbst dieses Jahres beginnen soll, und deren Abschluss für den August 2012 ins Auge gefasst ist. Zwar soll das bestehende Bahnhofsbauwerk in seiner Grundsubstanz erhalten bleiben; viele Schwelmer und Auswärtige, die als Pendler regelmäßig die Bahn benutzen, werden „Schwelm Hauptbahnhof“ später aber vermutlich nicht mehr wieder erkennen. Die Walmdächer der beiden „Türme“ sollen Satteldächern weichen, und der gesamte Mittelbau nebst Eingang verwandelt sich in eine imposante Glasfassade, die Licht und Luft in eine mehrgeschossige Dienstleistungs-Oase lässt, welche nach Wunsch der Planer Ingenieuren, Ärzten oder Finanzberatern ein angenehmes Arbeitsumfeld für ihre Büro- und Praxistätigkeiten bietet. „Dafür müssen wir das alte Gebäude vollständig entkernen“, stellte Architekt Oliver Garthe klar: „Mittels Doppelböden erreichen wir große bauliche Flexibilität.“

Architekt Oliver Garthe, VER-Vorstand Thomas Schulte, Bahn-Projektleiter Carsten Kirchhoff und Stadtentwickler Frank Sormund (von links) nehmen die Umgestaltung des Bahnhofs Schwelm in die Hand. (Foto: Stefan Scheler)

„Ist auch für die Behinderten gerechte Auslegung Sorge getragen?“, fragte die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Dr. Frauke Hortolani, die Organisatoren des Umbaus.

Oliver Garthe konnte die Ärztin in seinem Vortrag beruhigen, dass man alles getan habe, nicht nur, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu den Gleisen zu erleichtern, sondern auch, um die Verkehrsanbindung zu den auf dem Vorplatz wartenden Bussen so reibungslos wie möglich zu gestalten.

„Wir haben uns ein ganz neues Konzept überlegt“, referierte VER-Vorstand Thomas Schulte: „Mittels einer Anhebung des Vorplatzniveaus um bis zu 50 Zentimeter machen wir die Treppe zum Hauptgebäude überflüssig. Zudem dient ein neues Dach an den Haltestellen für angenehme Wartezeiten auch bei ungünstiger Witterung.“ Dass dieser Wetterschutz mit Solarzellen sogar Energie erzeugt, hätte der leider verhinderte AVU-Experte wohl noch etwas genauer erklärt. Auf den ausgehängten Plänen konnte das Publikum die schöne neue Zukunft am Bahnhof Schwelm jetzt schon bewundern, für die allerdings noch einige bürokratische Hindernisse, zum Beispiel die Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts oder die Beteiligung des Behindertenbeirats, zu nehmen sind.

Dann ist auch der Weg frei für den Einzug einer Bäckerei mit gemütlichem Bistro, eines Buch- und Zeitschriftenhandels, einer großzügig angelegten Außengastronomie sowie erweiterter Parkmöglichkeiten mit Elektro-Tankstelle und geschützten Fahrrad-Stellplätzen. „Der Sicherheit dienen zur Bundespolizei aufgeschaltete Videokameras“, beruhigte Carsten Kirchhoff, Projektleiter der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft NRW, ängstliche Bahnreisende.