Sparkassen-Gäste amüsiert: „Inge ihr Doppelkinn wechmachen“

Dr. Ludger Stratmann (links) freut sich über das Geschenk von Sparkassenchef Thomas Biermann, einen „verschreibungspflichtigen“ Tropfen. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Der Malteser-Sanitäter hat mir gesagt, wie ein sicheres Haus aussehen muss“, brach Dr. Ludger Stratmann als „Jupp“ vor wenigen Tagen im Zentrum für Kirche und Kultur das Eis: „In jedem Korridor muss ein Feuerlöscher und ein Vibrator hängen.“

Gemeint hatte der als Kabarettist überaus erfolgreiche Mediziner allerdings den Defibrillator zum Anregen des Herzschlags in Notsituationen. Der Mix aus fachlicher Kompetenz und gewachsenem Ruhrgebietshumor machte den Reiz des Abends aus, dem sich die rund 600 Zuhörer nicht verschließen konnten und wollten. Ein Gag jagte den nächsten; nicht alle waren ganz stubenrein, so wie der folgende: „Warum wollen Frauen lieber einen Mann als einen Vibrator? – Weil der Vibrator den Abfall nich ‚runterbringt.“

Auch die holde Weiblichkeit bekam ihr Fett weg. „Ich sach für mein Schwager: ,Fahr ma nache Kur in Bad Meinberg‘“, sprach der humorvolle Arzt den ehemaligen Bürgermeister Dr. Klaus Solmecke als seinen Freund „Werner“ an: „Da jibbet die besten Kurschatten.“ Um gleich darauf fortzufahren: „Die Frauen haben einen untrüglichen Instinkt, wenn et darum geht, den Männern den Spaß zu verderben. Getz will meine Inge mitkommen.“

Besagte Inge musste in Abwesenheit auch wenig schmeichelhaften Spott über die schönheitschirurgische Beseitigung ihres Doppelkinns ertragen. Der ehemals in Bottrop praktizierende Allgemeinmediziner zog außerdem über allerlei altersbedingte Zipperlein bei Personen beiderlei Geschlechts her, wobei allerdings der ernste Hintergrund dieser Frotzeleien rasch deutlich wurde. Es ging dem Doktor, der in Essen im Alten Bahnhof Kupferdreh sein Kabarettprogramm präsentiert, nämlich darum, zu vermitteln, dass man den Attributen des Alterns nicht mit dem Messer des Operateurs zu Leibe rücken sollte. „Schluss mit Fitness“, forderte er sogar: „Richtig alt is man erst, wenn auf dem Geburtstagskuchen die Kerzen teurer sind als die Torte.“

Nach seinem Vortrag stand Dr. Ludger Stratmann noch zum Signieren seiner Bücher und dem einen oder anderen „Pläuschken“ zur Verfügung. (Foto: Stefan Scheler)

Als Szene für die Sketche im Zentrum für Kirche und Kultur diente ein improvisiertes Wartezimmer. Den „Charme“ dieser republikweit fast immer gleich aussehenden Räumlichkeiten nahm Dr. Ludger Stratmann mit dem Studieren der ausliegenden Illustrierten auf die Schippe. Er griff sich eine „Vogue“-Ausgabe und sinnierte: „Wat ist dat denn? ,Föge‘? – Is dat ne türkische Zeitung?“ Überhaupt kokettierte der Ur-Ruhrpottler mit der Anwendung der typischen Mundart zwischen Dortmund und Gelsenkirchen, garniert mit demonstrativ dargestellter Unkenntnis in der Anwendung von Fremdwörtern. „Nee, dat is getz posttraumatisch“, nahm der heilkundige Kabarettist Bezug zu seiner Fachsprache: „Hat aber nichts mit der Deutschen Post zu tun.“ Einer Wuppertalerin im Publikum nahm er im Hinblick auf den Ruhrpott-Slang alle Illusionen: „Sie verstehen hier sowieso nix.“

Allerdings schätzte der 64-Jährige die landsmannschaftliche Zugehörigkeit seiner aus dem Kundenkreis der Sparkasse rekrutierten Gevelsberger Gäste etwas falsch ein, indem er diese als „niederbergische Kultur- und Finanzelite“ bezeichnete, was jedem echten Westfalen die Nackenhaare aufstellen dürfte.

Trotzdem verabschiedete Sparkassenchef Thomas Biermann seinen redegewandten Gast mit einem Schwarzen Wacholder der heimischen Brennerei Habbel. „Der ist verschreibungspflichtig“, warnte der Vorstandsvorsitzende scherzhaft den Arzt und Humoristen, der als Zugabe noch einen kurzen, weniger appetitlichen rhetorischen Exkurs ins Reich der Pilze und Milben wagte.

Außer in seinem Kneipentheater in Essen-Kupferdreh wird man den von 1997 bis 2000 im WDR-Fernsehen präsent gewesenen, im ostwestfälischen Verl geborenen „Jungen von der Ruhr“, der sein Abitur nachgeholt hatte, um Medizin zu studieren, nicht mehr oft erleben. Der Auftritt in Gevelsberg war Teil der Abschiedstournee des Dr. Ludger Stratmann.