Sport schafft Sozialkompetenz

Moderator Marc Schulte gab dem hohen Gast aus Düsseldorf noch einige Fußball-Informationen mit auf den Heimweg. (Foto: Stefan Scheler)

Sprockhövel. (Sche) „Kinder- und Jugendsport müssen in unserer Landesregierung Chefsache sein“, forderte Schulministerin und Vize-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann als Ehrengast des Neujahrsempfangs im Sprockhöveler Golfhotel Vesper vor wenigen Tagen, den Stadtmarketing und Stadtsportverband Sprockhövel gemeinsam ausrichteten. Bei einer aufschlussreichen Podiumsdiskussion mit hochrangigen Vertretern aus Politik und Sport erfuhren die rund 300 Gäste, unter ihnen Sprockhövels Bürgermeister Dr. Klaus Walterscheid, der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe, Landtagsabgeordneter Professor Dr. Rainer Bovermann sowie die stellvertretenden Landräte Willibald Limberg und Sabine Kelm-Schmidt, was in Sachen Schule und Jugendsport in Sprockhövel erreicht wurde und noch geplant ist.

Auch in kleiner Runde mit Ministerin (Mitte) und Doppelolympiasiegerin leitete Moderator Marc Schulte souverän das Gespräch. (Foto: Stefan Scheler)

Zuerst einmal konnte die Geschäftsführerin des Stadtmarketing Sprockhövel, Rita Gehner, stolz verkünden, dass man in der einstigen Bergbaustadt sehr sportlich unterwegs sei. „Etwa 9.700 Bürger unserer Gemeinde sind Mitglied in einem Sportverein“, klärte sie auf: „Das entspricht 38 Prozent der Bevölkerung.“

Als hochrangige Vertreterin aus dem Bereich des Sports hatte die Doppelolympiasiegerin von 1972 und 1984, Ulrike Nasse-Meyfarth, am Diskutiertisch Platz genommen. „Zu meiner Schulzeit in den späten Sechzigerjahren war der Sport am Gymnasium ein ,Stiefkind‘“, erinnerte sich die Ausnahme-Hochspringerin, die heute als Funktionärin bei Bayer 04 Leverkusen aktiv ist: „Das hat sich in der Zeit danach zum Glück geändert.“ Trotzdem seien auch heute noch Defizite zu verzeichnen, was vor allem in der mangelnden Qualifikation mancher Sportlehrer begründet liege.

Auf dem Podium diskutierten (von links) Sportwissenschaftler Lutz Thieme, die Funktionärin Gisela Hinnemann, Moderator Marc Schulte, Ministerin Sylvia Löhrmann und Doppel-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth. (Foto: Stefan Scheler)

Hier müsse man ansetzen, meinten auch der Professor für Sportmanagement Lutz Thieme und Sportwissenschaftler Lothar Pöhlitz. Ein Weg aus der Misere sei, das Potenzial in den Sportvereinen auszuschöpfen und die Erfahrung der dortigen Trainer, die zudem in der Berufswelt gestandene Persönlichkeiten seien, zu nutzen.

Einig waren sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde, unter ihnen auch Gisela Hinnemann, Vizepräsidentin für den Leistungssport beim Landessportbund, dass regelmäßiger Schulsport von mindestens drei Wochenstunden nicht nur die Gesundheit und körperliche Entwicklung junger Menschen fördere, sondern auch soziale Werte wie Fairness und Kameradschaft fördere. „Toben macht schlau“, brachte es Sylvia Löhrmann auf den Punkt. Problematisch sei hingegen, dass Schüler in der heutigen Zeit fast so volle Terminkalender wie Führungskräfte hätten, was sie zum Setzen von Prioritäten zwinge. Das gehe dann oft zu Lasten der sportlichen Betätigung.

Bürgermeister Dr. Klaus Walterscheid grüßte für Rat und Verwaltung. Er ist stolz auf Sportabzeichen-Inhaber und städtische Sportstätten. (Foto: Stefan Scheler)

„Dazu kommt noch, dass die Betroffenen gerade mitten in der Lebensfindungsphase stecken“, gab die Ministerin, die selbst als Lehrerin in Witten-Vormholz und Hattingen die Schullandschaft im EN-Kreis kennen gelernt hatte, zu bedenken: „Ein Schulabbruch zugunsten des Sports, wie beim Fußballprofi Julian Draxler, ist dabei der falsche Weg.“ Es müsse die Möglichkeit geben, auch Spitzensport mit der Vorbereitung auf die Hochschulreife zu vereinen.

„Das hat bei mir gut geklappt“, machte Ulrike Nasse-Mayfarth Mut: „Es sieht aber heute in Zeiten des ,Turbo-Abiturs‘ leider etwas schwieriger aus.“

Nach der interessanten geistigen Nahrung bat die Mannschaft von Arnt Vesper zu einem leckeren Süppchen, während die Country-Rock-Band Clearwater aus Sprockhövel „Ring of Fire“ und andere US-Klassiker zu Gehör brachte. WDR-Moderator Marc Schulte führte routiniert durch das Programm und klärte Sylvia Löhrmann unter anderem darüber auf, dass Julian Draxler für den FC Schalke 04 spielt. Der Radiomann vergaß dabei aber nicht, seine persönliche Vorliebe für Schwarz-Gelb zu erwähnen.