Start in das Abenteuer Zukunft

Schwelm. (Sche) „Diesmal gibt es ja gar keine Kondome“, kommentierte ein Teilnehmer der diesjährigen Aktion „Komm‘ auf Tour“ die Veranstaltung. Das kam zwar etwas flapsig herüber, zumal diese Bemerkung an EN-Landrat Dr. Arnim Brux gerichtet war, zeigt aber gut die Zielrichtung der Aktion.

„Komm‘ auf Tour“ hat bereits 48-mal insgesamt und neunmal im Bereich es EN-Kreises stattgefunden. Seit 2006 beraten Fachleute aus Arbeitsverwaltung und Bildungsbetrieb Siebtklässler aus Förder-, Haupt-, Gesamt- und Realschulen über Chancen in Beruf und individueller Lebensplanung. Dazu gehört, um auf das Zitat am Beginn zurückzukommen, auch die Sexualaufklärung. „Ungewollte Schwangerschaften können die Berufsplanung entscheidend zurückwerfen“, wusste bei der Veranstaltung im Schwelmer Ibach-Haus vor wenigen Tagen Sascha Böres von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu berichten.

Rollenspiele

Der Schwerpunkt der von Pro Familia, der Arbeitsagentur, dem EN-Kreis, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem NRW-Schulministerium getragenen Veranstaltung liegt im Erkennen eigener Stärken im Hinblick auf eine Erfolg versprechende berufliche Karriere.

„Dabei geht es nicht darum, die Jugendlichen wie in der Schule zu beurteilen“, präzisierte Cornelia Hövel vom Regionalen Bildungsbüro des EN-Kreises: „Dort weist man sie nämlich sehr oft auf ihre Defizite hin. Wir gehen hier den entgegengesetzten Weg.“ In verschiedenen Spielstationen, etwa der sehr beliebten „sturmfreien Bude“, müssen die Schüler ihre Kompetenzen in Rollenspielen entdecken und anwenden. So etwa bei der Planung des Haushalts mit der Frage: „Wer wäscht ab?“ Bei dieser scheinbar trivialen Alltagssituation loten die Trainer aus verschiedenen Bildungseinrichtungen aus, wer Verantwortung übernehmen, sich durchsetzen und eine unvorhergesehene Situation organisieren kann. Angenommene Lage: Nach einer Party in der sturmfreien Bude haben die Eltern telefonisch ihre verfrühte Rückkehr angekündigt. Jetzt müssen alle an einem Strang ziehen.

Cornelia Hövel für das EN-Bildungsbüro, Thomas Helm von der Arbeitsagentur, Landrat Dr. Arnim Brux und Sascha Böres von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (von links) erläuterten das „Komm‘ auf Tour“-Konzept. (Foto: Stefan Scheler)
Cornelia Hövel für das EN-Bildungsbüro, Thomas Helm von der Arbeitsagentur, Landrat Dr. Arnim Brux und Sascha Böres von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (von links) erläuterten das „Komm‘ auf Tour“-Konzept. (Foto: Stefan Scheler)

470 junge Menschen suchten mit Hilfe von Lehrern, Sozialpädagogen und Berufsberatern nach ihren Neigungen und Chancen. Zum Findungsprozess gehörte bereits das Einführungsgespräch mit der Dame „Futura“, dargestellt von Renate Passmann-Lange. Sie bot den Jugendlichen „Reisebegleitung“ bei der Tour ins eigene Ich an. „Was ist zum Beispiel der ,Grüne Daumen‘?“, fragte sie in ihr junges Publikum. „Was mit Tieren und so“, kam die Antwort aus den gut gefüllten Sitzreihen.

Zwanglose Atmosphäre

Nun stellte sich auch Landrat Dr. Arnim Brux als Schirmherr der Veranstaltung kurz vor, zunächst mit der Frage, was nach Meinung der Schüler denn ein Landrat sei und mache. „Vor allem muss man gut reden können“, erklärte er in das längere Schweigen hinein: „Das war eine meiner Stärken, die ich auch erst allmählich entdeckt habe.“ Damit machte der Verwaltungschef des Kreises den Jungen und Mädchen Mut, sich über eigene Hemmnisse hinwegzusetzen. Die geschickt eingesetzten Spielabläufe taten ein Übriges, das Eis zu brechen.

„Was wir hier im Vorfeld leisten, hilft, das Phänomen Berufs- und Studienabbruch zu vermeiden“, erklärte dazu Thomas Helm von der Arbeitsagentur: „Das Geld, das wir jetzt dafür ausgeben, sparen wir im Idealfall bei nicht zu zahlender Arbeitslosenunterstützung und Sozialleistungen.“

„Die Herausforderung hier gefällt mir sehr gut“, gab der 13-jährige Erzan Gashi aus der 8. Klasse eine kurze Rückmeldung: „Besonders mag ich das Theater und den Tunnel wegen der zwanglosen Atmosphäre.“ Wichtig ist nach Ansicht der Organisatoren der Rückhalt im Elternhaus, weshalb sich die Erziehungsberechtigten am Abend mit den Experten zur „Manöverkritik“ trafen.