Staub-Schutz wird Pflicht: Neue Vereinbarung tritt in Kraft

EN-Kreis. Bohren, schneiden, Putz abschlagen – staubige Arbeiten gibt
es auf jeder Baustelle. Diese machen oft krank, doch damit soll nun Schluss
sein: Ab sofort müssen die rund 220 Baubetriebe im Ennepe-Ruhr-Kreis ihre
Mitarbeiter besser vor Staub schützen.

So steht es in der Vereinbarung „Staubminimierung beim Bauen“. Diese
„Anti-Staub-Charta“ haben IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Arbeitgeberverbände
der Baubranche, Bundesarbeitsministerium und Berufsgenossenschaft der
Bauwirtschaft kürzlich unterschrieben. Vom Maurer über den Trockenbauer bis hin
zum Dachdecker profitieren nach Angaben der IG BAU allein im EN-Kreis rund 1.890
Bauarbeiter von den neuen Schutz-Standards.
Die Gewerkschaft spricht von einem „Meilenstein für die Branche“: „Mit den
neuen Regeln könnte das Bild vom dreckigen und abends hustenden Bauarbeiter bald
der Vergangenheit angehören“, sagt Bezirkschef Ewald Thiel. Für Tausende
Beschäftigte in der Region dürfte das Risiko, an den Atemwegen oder an
Lungenkrebs zu erkranken, deutlich sinken.
Staub soll insbesondere im Bestandsbau verringert werden, heißt es in der
Vereinbarung. Der Grenzwert für sogenannte „lungengängige Stäube“ darf die Marke
von 1,25 Milligramm pro Kubikmeter nun nicht mehr überschreiten. Bislang lag die
Grenze bei 3 Milligramm.
Aufrüsten beim Arbeitsschutz
Reduziert werden soll damit auch die Gefährdung durch krebserzeugenden
Quarzstaub, der in fast jedem Baustaub enthalten ist. „Um das umzusetzen“, so
Thiel, „muss die Bauwirtschaft beim Arbeitsschutz aber richtig aufrüsten – von
neuen Maschinen bis hin zur Schulung der Beschäftigten.“ Die Alternative sei
Ärger mit dem Amt: Denn die Behörden für Arbeitsschutz kontrollieren, ob die
neuen Standards eingehalten werden. Dabei können Firmen für die Anschaffung von
Luftreinigern oder speziellen Bohrern mit Staubabsaugung bis zu 50 Prozent
Zuschuss von der Berufsgenossenschaft bekommen, erklärt Thiel.
Dies komme gerade kleineren Betrieben zugute, für die eine Umrüstung oft eine
erhebliche Investition sei. Nach Angaben von IG BAU und Berufsgenossenschaft
lässt sich ein Großteil der Baustellen schon mit rund 3.000 Euro staubarm
machen. „Oft sind es auch einfache Lösungen, die einen guten Effekt haben. So
können Fliesenleger ihre Platten auf speziellen Tischen brechen – statt sie mit
einem staubenden Schneider zu zerlegen.“